Mittwoch, 22. Oktober 2008

Jedermann

Ich erwähnte es bereits: am vergangenen Donnerstag war ich bei der Premiere der Berliner Jedermann-Festspiele. Weil ich jetzt auch noch für das Unternehmen Schokozeit die Pressearbeit mache und der Geschäftsführer bei der an die Premiere anschließenden Feier im Hilton Pralinen verteilte und Werbung für seine Firma machte, kam ich Glückspilz am Dienstag an zwei V.I.P.-Karten für Premiere und Feier, zu der wir und viele andere in einem der BVG entliehenen Shuttle-Bus gekarrt wurden. Wow!
So fand ich mich dann am Donnerstag im Berliner Dom ein, holte meine Karten vom V.I.P.-Stand ab und wartete auf meine Begleitung. Die junge Frau kam dann – der BVG und einer extremen Verspätung des 200er-Busses sei Dank – um 19:59 die Stufen des Doms hinaufgerannt. Schnell sausten wir in den Dom zu unseren Plätzen. Kurz darauf fing das Theaterstück an. Ich war sehr gespannt, denn ich hatte es zuvor noch nie gesehen, nur ab und an mal Auszüge im Fernsehen von den Salzburger Festspielen.
Um die Kritik kurz zu machen: es war toll. Erstens die Atmosphäre im Dom, weil der Jedermann ja doch eine Art Mysterienstück ist und schon von daher einfach in eine Kirche gehört. Dann die moderne Inszenierung (Brigitte Grothum) und die Untermalung mit Musik von Bach. Als bekennender Bach-Fan war ich natürlich begeistert. Winfried Glatzeder, den ich bislang auch nur aus dem Fernsehen kannte, hat die Hauptrolle gespielt. Sehr überzeugend. Der Mann ist halt ein toller Schauspieler. Peter Sattmann war erst der Tod, danach der Teufel. Den Tod hat er sehr ruhig und würdevoll dargestellt – sehr passend, denn der Tod steht ja doch über den Dingen. Der Teufel dagegen war quirlig, ungeduldig und wirkte irgendwie, ja, schwul. Lustig. (Dem Papst hätte das garantiert gefallen. *fieses grinsen*) Ohne meine Begleitung hätte ich den Darsteller des Mammon gar nicht erkannt: Ilja Richter! Kenne ich eigentlich nur aus alten, peinlichen Filmen. Aber der Mann kann ja richtig spielen!! Super!! Brigitte Grothum hat den Glauben gespielt, und die anderen Schauspieler kannte ich nicht. Außer der „Buhlschaft“ Mariella Ahrens. Die war ein netter Anblick, und das war es im Grunde auch schon. Vor allem hat sie das Kreischen etwas spät angefangen, als der Tod sich den Jedermann auf dessen Party geschnappt hat und sie – wie alle seine anderen Freunde auch – weggerannt ist. Jedenfalls rannte sie los von der Bühne (im Altarraum) runter durch den Mittelgang Richtung Ausgang, und als sie ein Drittel der Strecke zurückgelegt hatte, fiel ihr ein, daß sie eigentlich noch kreischen sollte. Das tat sie dann auch, aber es kam halt etwas verspätet. Ein bißchen schade fand ich, daß wegen des starken Halls im Dom manche Dialogzeile unterging. Nun ja.
Von der Premierenfeier gilt es zu berichten, daß eine Menge Leute da waren, darunter einige bekannte Gesichter. Didi Hallervorden habe ich gesehen und einen Schauspieler, den ich vom Gesicht her kannte und von dem meine Begleitung mir sagte, er spiele Theater und außerdem seit ewigen Zeiten in irgendeiner Seifenoper mit. Dann war da noch eine Schauspielerin, die ich mal in der Verfilmung eines Barbara-Wood-Romans (die Phase, in der ich diese Bücher gelesen habe, liegt gottseidank schon Jahre zurück), gesehen habe, wobei sie die Gute spielte und Mariella Ahrens die Böse. Den Namen habe ich vergessen.
Die Helden des Abends kamen etwas später als die Gäste, und sofort stürzten sich die Fotografen auf die beiden Hauptdarsteller. Wir standen an einem strategisch günstigen Stehtisch nur zehn Meter davon entfernt und durch das Büffet sicher von der Meute getrennt. Trotzdem: das Blitzlichtgewitter hatte es in sich. Wir waren ja eigentlich weit genug weg (und ich glaube auch, auf keinem Foto gelandet zu sein – zum Glück), aber es blendete doch sehr. Und die beiden mußten da direkt reinschauen und auch noch freundlich lächeln. Die taten mir da schon leid. Ich möchte so was nicht machen. Später konnten wir beobachten, wie Winfried Glatzeder alleine am Büffet stand, während sich die Fotografen und Journalisten weiterhin um Mariella Ahrens drängten. Was für eine Schande!!
Die drei Personen, die auf der anderen Seite „unseres“ Tisches standen, waren auch schon die ganze Zeit kräftig am ablästern. Schließlich meinte meine Begleitung, wir müßten jetzt gehen, sonst könne sie sich nicht mehr zurückhalten. Daraufhin waren wir herzlich eingeladen zu bleiben und haben uns der Diskussion darüber angeschlossen, wie die Rollenbesetzung der „Buhlschaft“ wohl zustande gekommen sein mochte. Später ging die Unterhaltung auf andere Themengebiete über, aber es wurde weiterhin viel gelacht.
Nach einer ganzen Weile verabschiedeten wir uns, drehten eine Runde durch den Saal, sahen bei meinem neuen Auftraggeber vorbei und verließen dann gegen halb eins das Hotel. War ein sehr schöner Abend!

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