Montag, 28. Mai 2007

Stichwahl

Nachdem die Nacht zum Mittwoch schon viel zu kurz gewesen war, "durfte" ich gestern schon wieder sehr früh aufstehen. Und das an einem Sonntag. Aber so oft kommt es ja doch nicht vor, daß man Dienst an der Demokratie schieben darf, da kann ich mich also nicht beklagen. Höchstens darüber, daß die Wahlbeteiligung im Vergleich zum ersten Wahlgang noch mal gehörig in den Keller gefallen war. In "meinem" Wahllokal gaben innerhalb von zehn Stunden gerade mal 158 Personen ihre Stimme ab. Beschämende 11,8 Prozent Wahlbeteiligung. Es war stinklangweilig.



Um Viertel nach sieben, als ich in der Grundschule Rehme-Oberbecksen ankam, warteten die Wahlautomaten noch darauf, aufgebaut zu werden. Auch wenn ich die Geräte schon vom letzten Mal her kannte, war es doch wieder überraschend zu sehen, wie klein sie in zusammengeklapptem Zustand sind.


Das Siegel kann ich allerdings nur als Witz bezeichnen. Der Zettel war ganz einfach abzuziehen. Kein Riß oder so. Sieht mehr nach Kosmetik aus. Und ist ganz und gar nicht geeignet, mein Vertrauen in die Wahlautomaten zu erhöhen.


Jedenfalls haben wir unseren Automaten gemeinsam entfaltet, an das Stromnetz angeschlossen und gemäß der Bedienungsanleitung in Betrieb genommen.


Danach haben wir auch die Rückseite des Automaten geschlossen, damit niemand an den Drucker und vor allem die Speichereinheit herankommen konnte. Zumindest nicht ohne einen gewissen Aufwand, der uns selbst bei überfülltem Wahllokal aufgefallen wäre.


Hier ist die Bedieneinheit, mit der der Automat für jeden Wähler einzeln freigeschaltet wird. Sobald der Wähler seine Wahl mit Druck auf die Taste "Stimmabgabe" bestätigt hat, wird die veränderte Zahl der abgegebenen Stimmen auf der Bedieneinheit angezeigt. Wenn der Wähler gehen will, ohne diese Taste gedrückt zu haben, kann der Wahlhelfer ihn "zurückpfeifen". Das ist wichtig, denn sonst würde die Stimme ja nicht gezählt.


Tja, und so sieht der Automat für den Wähler aus. Der "Stimmzettel" ist die kleinere, knallgelbe Fläche, und mit Druck auf einen der großen schwarzen Punkte wird der Kandidat oder die Partei ausgewählt. Bestätigt wird rechts oben auf dem grün-blauen Feld neben der Anzeige. Für Rollstuhlfahrer gibt es eine weitere Bestätigungstaste rechts unten in der Ecke.



Als alles aufgebaut war, wurde um 8:00 die Wahlhandlung durch unseren Wahlvorsteher für eröffnet erklärt. Und es begann das große Warten auf die Wähler.


Wo bleiben sie nur?! Zum Glück hatte ich ein Buch dabei. Und ich war nicht die einzige.


So völlig abwechslungslos verlief der Tag aber doch nicht. Wir bekamen Besuch von noch nicht wahlberechtigten Pferden, und kurz vor neun kam eine in leuchtendes Blau gehüllte Joggerin ins Wahllokal gekeucht, die ich noch eine Runde durch den Raum drehen ließ, damit die arme Frau nicht still stehen bleiben mußte, während ich sie im Wählerverzeichnis heraussuchte. Das Yeti ließ sich diesmal allerdings nicht blicken. Auch kamen viel weniger Kinder als vor zwei Wochen.


Aber die paar, die kamen, gingen natürlich auch mit Mama und/oder Papa an den Wahlautomaten und sahen beim Wählen zu. Doch mit einer Ausnahme ließ sich keines von dem Kollegen dazu verleiten, ihm auf der maßstabsgetreuen Abbildung des Wahlfeldes zu zeigen, welche Taste Mama oder Papa gedrückt hatten. Nur ein kleines Mädchen hätte es ihm fast verraten, wenn sein Bruder nicht laut losgebrüllt hätte. *LOL*



Als es langsam auf 18 Uhr zuging, begann die Schriftführerin schon damit, die Häkchen im Wählerverzeichnis zu zählen, um für das Protokoll die Zahl der Wähler zu ermitteln. Das hat zwar auch der Automat angezeigt, aber irgendwer muß vergessen haben, diese Vorschrift zu streichen, und so mußte es halt getan werden.


Um 18:00 schließlich erklärte unser Wahlvorsteher die Wahlhandlung offiziell für beendet, und wir alle versammelten uns um den Automaten. Neben der Anzeigetafel wurde die Plastikverschalung angehoben und eine kleine Tastatur freigelegt. Den Anweisungen gemäß wurden die entsprechenden Knöpfe gedrückt, der Computer berechnete das Wahlergebnis, und der kleine Drucker auf der Rückseite des Geräts druckte das Wahlergebnis aus.


Ein reichlich unspektakulärer Vorgang. Das Wahlergebnis wurde auf ein Zettelchen gedruckt, wie man es auch an der Supermarktkasse erhält. Wie einfallslos.


Das Ergebnis wurde für alle Wahlhelfer und den interessierten Bürger sichtbar an die Tafel geschrieben, ein paar Wahlhelfer aus dem benachbarten Wahllokal kamen herein, die Ergebnisse wurden verglichen, und per Eilmeldung an den Wahlleiter im Rathaus bzw. an die Parteizentralen durchgegeben. Dann wurde der Automat wieder zusammengefaltet.


Danach räumten wir noch ein bißchen auf, und wir von den Parteien entsandten Wahlhelfer waren entlassen. Die anderen mußten erst die Unterlagen und die Speichereinheit aus dem Gerät im Rathaus abliefern.

Ach ja, der Wahlsieger ist Dr. Ralf Niermann, der Kandidat der SPD. :-))

Kommentare:

Wahlrecht.de hat gesagt…

Standen die Wahlgeräte beim Eintreffen herrenlos herum, oder hat ein anderer Wahlhelfer diese in Empfang genommen?

Ute hat gesagt…

Gute Frage - von den Wahlhelfern war ich die erste, also muß der Hausmeister der Grundschule sich darum gekümmert haben.

Andreas hat gesagt…

Meine Schwester fragt nach, ob sie Kopien der Fotos von den nicht wahlberechtigten Islandpferden nebst Reitern haben dürfte ... ?! :-)

Ute hat gesagt…

Schon geschehen. Ist aber nur ein einziges Foto.