Montag, 21. Mai 2007

Ein schönes Bild


Auf der gestrigen Geburtstagsfeier meiner Mutter fühlte sich mein Vater beim Blick auf die Anwesenden plötzlich an ein berühmtes Werk der Kunstgeschichte erinnert. Schwups griff er sich meine (!) Kamera. Mal abgesehen davon, daß wir auf dem Bild alle lachen, hatte mein Vater recht. Zumal sich ein junger Mann mit Bart und langen Haaren im Zentrum des Geschehens befindet. Also nenne ich das Bild einfach mal

Da Vincis Abendmahl - remastered

Sonntag, 20. Mai 2007

Zeitnot

Heute morgen, kurz vor elf: mein Brüderchen wird nervös, denn um elf wird der Knabe vom Rest seiner Fußballmannschaft am Stadion erwartet, wo ein Turnier ansteht. Das Problem: die Eltern sind noch in der Kirche. Vom Wohnzimmer aus kann ich zuhören, wie das Brüderchen versucht, den Bruder zu überreden, ihn zu fahren. Der Bruder hat aber erstens keine Lust und ist zweitens immer noch sauer über die insgesamt drei (!) Terrorattacken heute morgen.

Tja, da hat der Knabe wohl ein Problem, doch Rettung naht: die Haustür geht auf, die Eltern sind zurück.

Brüderchen (beleidigt): "Na endlich!"
Mutter: "Wir sind extra früher gekommen."
Brüderchen (immer noch beleidigt): "Ich muß in fünf Minuten am Stadion sein!!"
Vater: "Bist du denn schon fertig?"
Brüderchen (jetzt sehr beleidigt): "NEIN!!"

Typisch.

Montag, 14. Mai 2007

Impressionen von der Landratswahl

Wie angekündigt, war ich gestern bei der Landratswahl als Beisitzerin im Wahlvorstand eingesetzt. Nach der letzten Bundestagswahl vor knapp zwei Jahren durfte ich schon zum zweiten Mal Dienst an der Demokratie schieben, und wieder hat es mir im Großen und Ganzen Spaß gemacht. Auch wenn ich "dank" des elektronischen Stimmgeräts das Zählen der Stimmzettel vermißt habe. Und obwohl die Wahlbeteiligung so beschämend niedrig lag, daß es uns im Wahllokal recht langweilig wurde.

Eingesetzt war ich wie letztes Mal in einem der beiden Wahllokale in der Grundschule Rehme-Oberbecksen, an der ich vor vielen, vielen Jahren einmal Lesen gelernt habe. Abstimmen mußte ich allerdings im anderen Raum, und das habe ich gleich um acht Uhr gemacht. Damit war ich die allererste überhaupt :-). Die Wahlhelfer starrten gebannt auf das Display der Bedieneinheit, mit der das Gerät vor jeder Stimmabgabe einzeln freigeschaltet werden muß und das anzeigt, wie viele Wähler jeweils ihre Stimme abgegeben haben.

Das von mir ungeliebte Stimmgerät hat ohne Probleme funktioniert (aber an meiner Meinung zum Einsatz ändert das überhaupt nichts!). Alle haben ihre Stimme abgeben können. Auch die ältere Dame, die bei der Erklärung der Funktionsweise der Maschine durch einen der Kollegen einfach nicht zugehört hatte und dann zwei Minuten lang vor der Maschine stand und hörbar nicht wußte, was sie nun machen sollte, hatte es - auch durch unsere "blind" von unseren Plätzen aus gegebenen Anweisungen - am Ende doch geschafft. "Zuerst auf einen der schwarzen Punkte drücken! Und jetzt rechts oben mit der blauen Taste bestätigen!! Ja, gut gemacht!!" Es dauerte zwar etwas, aber da zu der Zeit außer ihrem Mann eh kein anderer Wähler abstimmen wollte, machte das nichts.

Wie gesagt, wir hatten alle herzlich wenig zu tun. Im benachbarten Wahllokal sah es ähnlich aus, und da jeweils nur drei Mitglieder des Wahlvorstandes im Wahllokal anwesend sein mußten, hatten alle genug Zeit und Muße, zwischendurch bei Kaffee, belegten Broten und (sehr krümeligem) Kuchen im Lehrerzimmer der Grundschule zu sitzen und zu quatschen. Das führte allerdings dazu, daß alle Brote und fast der gesamte Kuchen mittags schon verzehrt waren. Da hatte Pech, wer erst im zweiten Durchgang zum Mittagessen nach Hause fahren konnte.

Wie gesagt, die Wahlbeteiligung war beschämend niedrig. Im Laufe des Tages mußte zu genau festgelegten Uhrzeiten der aktuelle Stand der Wahlbeteiligung ans Rathaus gemeldet werden. Bei der ersten Meldung um elf Uhr hatten nur etwas über vier (4!!!) Prozent gewählt. Am Ende des Tages waren es immer noch weniger als zwanzig Prozent (absolute Zahl: 235 von über 1.200), im Bad Oeynhausener Durchschnitt lag die Wahlbeteiligung laut NW von heute bei 24,7 Prozent. Der Kommentar der NW versucht, dieses erschreckende Ergebnis so zu erklären. Zitat: "Kaum zu glauben, dass Technik Wähler abschreckt. Eher mag es fehlende Identifikation mit dem Kreis sein." Ich denke, es war eine Mischung aus beidem (plus der Tatsache, daß kaum einer weiß, was ein Landrat eigentlich macht). Ich kenne mindestens einen, der aus bewußtem Protest gegen den Einsatz der elektronischen Stimmgeräte an der Wahl nicht teilgenommen hat. Das kann ich zwar auch nicht gutheißen, aber nachvollziehen.

Kurz vor drei Uhr kam der Bürgermeister vorbei, begrüßte persönlich alle ehrenamtlichen Wahlhelfer, stellte uns eine Schachtel "Celebrations" (lecker!) auf den Tisch, fragte danach, wie die Wahl bisher so verlaufen sei, ob es Probleme mit dem Stimmgerät gegeben habe, wie die Wähler darauf reagiert hätten (positiv überrascht, daß das Abstimmen so schnell geht, kritische Kommentare gab es zu meinem Bedauern nicht), berichtete aus anderen Wahllokalen, wo in einem Fall ein Wähler unverrichteter Dinge wieder abgezogen war, nachdem er seinem Mißfallen gegen die Stimmgeräte deutlich Ausdruck verliehen hatte. Während meine Kollegen ihr Unverständnis darüber äußerten, habe ich die Gelegenheit genutzt, dem Bürgermeister meine persönliche Unzufriedenheit mit dem Einsatz der Stimmgeräte mitzuteilen. Mit denselben Argumenten, die ich schon vorgestern hier dargelegt habe. Die fand er zwar stimmig und nicht ganz unbegründet, aber "Manipulationen sind auch bei dem herkömmlichen Verfahren möglich und gerade vor kurzem erst wieder vorgekommen" (in Hamburg). Na ja, was soll er sonst auch dazu sagen. *seufz*

Der "Höhepunkt" des Wahltages war der Moment, als eine Gruppe von Kindern, die zuvor eine ganze Weile schon lärmend über die Flure getobt waren (wo waren eigentlich deren Eltern?), plötzlich ihre Köpfe zur Tür hereinsteckten und erzählten, im oberen Stockwerk stehe ein Klassenzimmer komplett unter Wasser. Und sie seien es nicht gewesen. Das glaubten wir sofort, denn sonst hätten sie uns ja nicht Bescheid gesagt. Die Kollegin rief den Hausmeister an, der überhaupt nicht begeistert war, das gemeinsame Essen mit seiner Mutter (gestern war ja auch noch Muttertag!) abbrechen zu müssen. Als Ursache für die Überschwemmung stellte sich - so berichtete er später - ein Stück Fruchtgummi heraus, das im Abfluß eines Waschbeckens gelegen, durch den ständigen Kontakt mit Feuchtigkeit immer weiter aufgequollen und so schließlich den Abfluß verstopft habe. Irgendjemand hatte den Wasserhahn wohl laufen lassen oder ihn nicht ordentlich abgedreht, jedenfalls war irgendwann das Waschbecken übergelaufen, und als die Kinder das Malheur entdeckten, stand schon der ganze Boden unter Wasser.

Interessant war es auch, die Wähler zu beobachten. (Wenn mal welche kamen.) Die meisten waren normale Leute in all ihrer Unterschiedlichkeit. Alle ließen sich das Wahlverfahren mit dem Stimmgerät erläutern. Alle drehten den Kopf zum Gerät, sobald die Rede darauf kam, und blickten danach sofort wieder auf den großen Zettel, auf dem das Display in Originalgröße und -farben abgebildet war. Manchmal sind Reaktionen einfach nur vorhersehbar.

Mittags kam das Yeti wieder vorbei. Unverkennbar mit den knielangen, grauen Rastalocken und dem zotteligen Bart. Und keiner kennt den Mann. Aber er steht im Wählerverzeichnis.

Ungefähr eine Stunde vor Schließung der Wahllokale schlurfte ein etwas ungepflegt wirkender Mann Mitte vierzig ins Wahllokal und baute sich - die Hände in den Taschen - vor unserem Tisch auf: "Tach. Ich will hier wählen."
"Haben Sie Ihre Wahlbenachrichtigungskarte dabei?"
Herausforderner Blick, betont coole Stimme: "Brauch ich nich. Ich bin dorfbekannt."
Der Wahlvorsteher (wohnhaft in Dehme) wendet sich an die Kollegen: "Kennt jemand von Ihnen den Mann?"
Wir fünf (um die Uhrzeit waren wir alle wieder vollzählig anwesend) wechselten ratlose Blicke, schütteln mit dem Kopf.
Mann (beleidigt): "Gut, wenn Sie nicht wollen ..." Dreht sich um und will wieder gehen.
Kollegin: "Haben Sie vielleicht Ihren Ausweis dabei?"
Mann (mürrisch): "Sagen Sie das doch gleich!" Er fischt sein Portemonnaie aus der Gesäßtasche, zieht seinen Perso heraus und überreicht ihn mir. Ich überprüfe die Anschrift, stelle fest, daß er zumindest in unserem Wahllokal richtig ist, suche ihn im Wählerverzeichnis heraus und überprüfe alle Angaben extra sorgfältig. Alles in Ordnung, ein Kollege erklärt ihm das Stimmgerät, ein weiterer Kollege schaltet das Stimmgerät frei, der Mann wählt und verschwindet, ohne ein Wort zu sagen.

Was wir an dem Tag sonst noch so gemacht haben:
  • Kaffee getrunken
  • ab und an Witze erzählt
  • mit der Kollegin, die ein Haus gekauft hat und Pläne für den Garten macht, "ihre" Büchereibücher über Blumen-, Gräser- und Heckenarten durchgeblättert und über Gartengestaltung gesprochen
  • nach meiner Mittagspause die zu richtigen Büchern gebundenen Ausdrucke meines Japan-Blogs durchgeblättert und die Fotos angeschaut - für die Abwechlsung waren mir alle sehr dankbar :-)
  • einen Großteil der Wähler enttäuscht ins Wahllokal nebenan geschickt - die Beschilderung der Wahllokale war etwas "unglücklich" gewählt: "wir" waren "Rehme-Oberbecksen", die anderen waren "Rehme-Babbenhausen"; nur daß die Grenze zwischen den beiden Ortsteilen eben NICHT entlang des Borwegs verläuft und viele Oberbecksener sich daher darüber empörten, keine Babbenhausener zu sein; und zu Rehme gehörte keiner unserer Wähler, schließlich hatte Rehme sein eigenes Wahllokal im Rehmer Kindergarten - na ja, das sind so die kleinen Animositäten unter Nachbarn ;-)
  • über die niedrige Wahlbeteiligung gejammert und darüber, daß bei der Stichwahl in zwei Wochen vermutlich noch weniger kommen, weil dann Pfingsten ist und der eine oder andere in Urlaub ist
  • die Wähler, die am Nachmittag gekommen sind, aufgefordert, alle ins Wahllokal zu schicken, die sie auf der Straße treffen
  • halb im Scherz, halb im Ernst überlegt, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, daß der Kandidat der Republikaner aufgrund der überall geringen Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erhält und die Stichwahl überflüssig macht, denn dessen Wähler stimmen ja auf jeden Fall ab - aber glücklicherweise hat er nur verschwindend wenige Stimmen bekommen
  • die eigentlich für die nicht wahlberchtigten Kinder der Wähler gedachten Süßigkeiten auch an einige ausgewählte erwachsene Wähler verteilt
  • ich habe einigen Wählern versprochen, daß die Waschmaschine schon heute geliefert wird
  • ein Kollege hat sich bei einigen Wählern für die Abgabe des digitalen Fingerabdrucks und der DNA-Probe bedankt
  • noch mehr Kaffee getrunken
  • gelacht
  • geredet
  • geschwiegen
  • gegähnt
  • auf die Uhr gesehen

Wie gesagt, im Großen und Ganzen hat es Spaß gemacht. Die Kollegen waren allesamt nett, umgänglich und mit einem ordentlichen Sinn für Humor ausgestattet. Nur die ausbleibenden Wähler haben genervt. Bei der Stichwahl in zwei Wochen möchte ich daher mehr als nur 235 Wähler in meinem Wahllokal sehen!!

Samstag, 12. Mai 2007

Tulpenblüte

So, bevor bald auch die letzten Tulpen in Mutters Vorgarten verblüht sind, schnell noch ein Foto:


(Ja, ich spiele gerne mit der Makro-Funktion der Kamera herum. *g* )

Landratswahl

Morgen wird bei uns im Landkreis ein neuer Landrat gewählt. Der Alte hat die Altersgrenze erreicht, daher werden nur hier im Mühlenkreis die Wähler außer der Reihe zu den Urnen gerufen. In zwei Wochen wahrscheinlich noch mal zur Stichwahl, sofern keiner der Kandidaten schon morgen die erforderliche Mehrheit erhält. Wie schon bei der letzten Bundestagswahl vor knapp zwei Jahren bin ich wieder ehrenamtliche Beisitzerin im Wahlvorstand meines Stimmbezirks. Darauf habe ich mich genau so lange gefreut, bis ich die offizielle Berufung von der Stadt Bad Oeynhausen erhalten habe. An das zweiseitige Schreiben war nämlich ein häßlicher hellgrüner Zettel mit folgender Mitteilung geheftet:

"In ihrem Wahllokal/Stimmbezirk kommt zur Wahl der Landrätin/das Landrates ein elektronisches Wahlgerät zum Einsatz."

Hmpf. Das gefällt mir überhaupt nicht, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Die traditionellen Stimmzettel haben den großen, unschlagbaren Vorteil, daß der Wähler genau weiß, wo er sein Kreuzchen gemacht hat und sich sicher sein kann, daß seine Stimmabgabe nicht manipuliert wird (zugegeben, das gilt leider nicht in allen Ländern, aber in den betreffenden Ländern würden auch elektronische Wahlgeräte manipuliert). Am Ende des Tages haben die Wähler bekanntlich das Recht, in ihrem Wahllokal bei der Auszählung der Stimmen zuzusehen. Bei dem elektronischen Wahlgerät müssen lediglich ein paar Knöpfe gedrückt werden, und dann spuckt der Computer das Ergebnis aus. Bei ordentlichen Stimmzetteln wird gezählt. Dazu wird der Inhalt der Wahlurne auf ein paar zusammengerückte Tische gestellt, die Stimmzettel werden erst sortiert und dann mehrmals gezählt. Danach weiß jeder, wie das Ergebnis lautet und wie es zustande gekommen ist. Mit anderen Worten: das traditionelle Verfahren ist vertrauenserweckend. Das ist für eine Demokratie überlebenswichtig!
  • Als ich das erste Mal wählen durfte, habe ich schon in Rostock studiert, war hier aber noch mit Erstwohnsitz gemeldet und mußte meine Stimme folglich hier abgeben. Das hätte ich per Briefwahl machen können (habe ich später auch so gehandhabt), aber gerade bei der ersten Wahl wollte ich "richtig" wählen. Das ist doch schon so eine Art Ritual (und kleine Rituale braucht der Mensch!), ins Wahllokal zu gehen, die Wahlbenachrichtigungskarte vorzuweisen, den Stimmzettel zu erhalten, in die Wahlkabine zu gehen, den Stimmzettel zu studieren (selbst wenn man sowieso schon weiß, wo man sein Kreuzchen machen will), mit Kugelschreiber sein Kreuzchen zu machen, den Stimmzettel wieder zusammenzufalten, zur Wahlurne zu gehen und schließlich seine Stimme abzugeben. Jetzt muß ich nur einen Knopf an irgendsoeiner blöden Maschine drücken. Da kann man ja gleich die Internetabstimmung einführen, mit allen Manipulationsmöglichkeiten!!
Nein, ich bin damit nicht einverstanden. Aber was hilft's: morgen trete ich um 7:30 zum Dienst an und hoffe darauf, daß alles gut geht. :-(

Freitag, 11. Mai 2007

Entscheidung

In den letzten Wochen habe ich sehr viel nachdenken und grübeln müssen. Ich war parallel bei zwei verschiedenen potentiellen Arbeitgebern zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden, in einem Fall sogar zu einem zweiten, in beiden Fällen war der Aufgabenbereich für mich hochinteressant, und bei beiden hatte ich den Eindruck, es könnte was werden. In dem einen Fall war es schließlich sogar hundertprozentig sicher, ich mußte mich nur entscheiden. Was gar nicht so leicht war, denn das andere war, wie gesagt, auch sehr interessant und finanziell zudem zumindest ein kleines bißchen attraktiver.

Letzte Woche schon hätte sich nach dem zweiten Vorstellungsgespräch alles entscheiden sollen. Ich wartete auf den Anruf von dem potentiellen Arbeitgeber, der mir dann aber nur mitteilte, man habe sich intern noch nicht endgültig abstimmen können, und er würde sich am Dienstag wieder melden. In der Zwischenzeit meldete sich der andere potenzielle Arbeitgeber und gewährte mir großzügigerweise eine Fristverlängerung bis zur Entscheidung des anderen potentiellen Arbeitgebers. Wow. Das zeigte mir deutlich, daß da ein ganz großes Interesse an meiner Mitarbeit bestand. Da war das schlechte Gewissen ob meiner Hinhaltetaktik ganz groß.

Erleichtert wurde mir die endgültige Entscheidung dann am Mittwochmittag, denn nachdem sich der erste potentielle Arbeitgeber bis dahin NICHT gemeldet hatte, ich also selbst anrufen und erfahren mußte, er sei zwei Tage auf einer Dienstreise, der zweite potentielle Arbeitgeber aber auf meinen Anruf wartete, habe ich nach reiflicher Überlegung beschlossen, letzterem meine Zusage zu geben, denn im ersten Fall standen meine Chancen auf Beschäftigung nur bei 50 Prozent.

Jetzt habe ich also endlich einen Job. Hat "nur" ein halbes Jahr gedauert (laut einer neulich auf SpO veröffentlichten Statistik liege ich damit für mein Studienfach auch genau im Trend, aber darauf hätte ich auch verzichten können). Ich freue mich wahnsinnig, und der künftige Arbeitgeber hat sich am Telefon auch hörbar gefreut. Einen besseren Beginn kann es nicht geben. :-)

Wann genau ich anfange, weiß ich noch nicht, aber ich habe zugesagt und werde demnächst in die einzig wahre Hauptstadt (Berlin) ziehen und dort als Assistentin des Herausgebers einer kleinen Monatszeitschrift tätig sein. Viel mehr möchte ich dazu nicht sagen, nur noch dieses: ich werde meine diversen Fremdsprachenkenntnisse dabei gut einbringen können, und mein Politikstudium wird auch von Vorteil sein. Es wird viel zu tun sein, aber auch sehr interessant und lehrreich. Und das soll bekanntlich die grauen Zellen fit halten. :-)

Heute vormittag habe ich dann noch beim anderen potentiellen Arbeitgeber angerufen, um meine Bewerbung dort zurückzuziehen. Da habe ich gleich erfahren, daß ich dort wahrscheinlich eine Absage bekommen hätte. Mit anderen Worten: ich habe im richtigen Moment die richtige Entscheidung getroffen. Nur zwei Tage später, und ich hätte keine Wahl mehr gehabt. So aber ist es bis zu einem gewissen Grad meine eigene, souveräne Entscheidung gewesen. :-))

Dienstag, 8. Mai 2007

???

Neulich in Lübbecke gesehen:


Das wirft natürlich Fragen auf:
Welche Qualität muß der Dialog besitzen, um hier angenommen zu werden? Muß er künstlerischen Wert haben ("Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche. ..."), oder darf es auch banal sein ("Tach! - Hm.")?

Samstag, 5. Mai 2007

Terror

Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep.
Piepiep. Piepiep. Piepiep. Piepiep. Piepiep. Piepiep.
PIEPIEPIEPIEPIEPIEPIEPIEPIEPIEPIEPIEP!

Nahezu jeden Morgen werde ich von diesem Geräusch geweckt. Der mittlere Bruder (26) ebenfalls. Nur derjenige, dem der Wecker gehört (der kleine Bruder, 16), schläft ungerührt weiter. Dieser Knabe ist ein Phänomen: der Wecker steht nur wenige Zentimeter von seinem Kopf entfernt, aber er hört ihn nicht. Mich trennt eine Wand von dem Wecker, den mittleren Bruder immerhin zwei Wände, und wir sind dann wach. Dabei stehen wir immer später auf, um den berufstätigen Eltern und dem schulpflichtigen kleinen Bruder am frühen Morgen nicht im Weg rumzustehen.

(Zur Info: der mittlere Bruder beendet seine letzte Studienarbeit, damit er endlich sein Diplom erhält, und ich bin bekanntlich arbeitslos, möglicherweise nicht mehr allzu lange, aber darum geht es jetzt nicht. Fakt ist, daß wir beide nicht schon vor acht Uhr aus dem Haus müssen und daher erst dann aufstehen, wenn der Rest der Familie das Haus verlassen hat.)

Der allmorgendliche Terror wird meistens so beendet: wer von uns beiden gerade die schwächeren Nerven hat, steht aus, wankt aus dem Zimmer, hämmert gegen die Tür und brüllen den schlafenden Knaben an, er solle gefälligst den verdammten Wecker ausstellen. Ich öffne meistens noch geräuschvoll die Tür und mache das Licht im Zimmer an. Damit der Junge aufstehen muß. (Tut er auch: stellt erst den Wecker aus, geht dann zum Lichtschalter, macht das Licht aus und legt sich erst einmal wieder hin. Bis der Wecker nach fünf Minuten wieder explodiert. *aargh*)

Gestern morgen war ich so genervt, daß ich aufgestanden und die neben meinem Bett stehende Mineralwasserflasche mitgenommen habe. Nein, nicht was ihr jetzt denkt. Um den Umweg über das Badezimmer zu sparen, wo ich erst noch einen Waschlappen hätte organisieren und naßmachen müssen. Nur war der Knabe schon längst aufgestanden. Nur hatte er - wieder einmal - vergessen, die Weckfunktion auch ganz auszuschalten. >-(

Mittwoch, 2. Mai 2007

Fliegende Werbung

Am Samstagabend saß die ganze Familie friedlich auf der Terrasse. Es gab Bratwurst (lecker!) und ein paar Steaks.


Plötzlich bemerkten wir einen riesigen Heißluftballon, der direkt über dem Haus des Nachbarn vorbeiflog. So nah sieht man das ja selten. (So klein wirkt er nur auf dem Foto). Deutlich sichtbar jedenfalls die aufgedruckte Werbung für eine regionale Brauerei (deren Werbung ich allerdings auch schon einmal auf Rügen erblickt habe).


Mein Bruder nölte erst rum, als ich meinen Fotoapparat holte ("Ballons zu fotografieren ist doch total peinlich!"), legte dann, als der Ballon nah genug dran war, den Kopf in den Nacken und brüllte nach oben: "WIR TRINKEN BARRE!!!!"

:-)

Bewerbungstraining in Bielefeld

So, und bevor das betreffende Ereignis schon wieder eine Woche zurücklegt, schreibe ich lieber heute schnell was darüber. Es ist schon erstaunlich, daß ich trotz sehr viel freier Zeit nicht dazu komme, einen kleinen Post zu schreiben. Andererseits war ich ja auch schwer beschäftigt: ich habe in der letzten Woche fleißig Japanisch gelernt (Vokabeln und Kanji), Geburtstag gefeiert bzw. so getan als ob (Älterwerden ist nicht unbedingt etwas, das sich zu feiern lohnen würde), ferngesehen, gelesen, Matthias Platzeck gehört, und, äh, viel Zeit mit unproduktivem Nichtstun vergeudet. Aber ich wollte ja vom Bewerbungstraining berichten.

Der Hinweg war wieder einmal eine Sache für sich. Nicht die Fahrt, das war kein Problem. Der Fahrkartenkauf war das Problem. Ich stand um kurz nach sieben in der Eingangshalle des etwas heruntergekommenen Oeynhausener Bahnhofs vor dem Automaten und wollte an selbigem die Fahrkarte kaufen. Und zwar wollte ich eine Tageskarte, mit der ich dann auch in Bielefeld die U-Bahn benutzen konnte. So etwas muß es geben, immerhin hat mein Brüderchen vor zwei Monaten sein Betriebspraktikum an der Bielefelder Uni absolviert und ist da auch mit einer einzigen Fahrkarte ausgekommen. Das war zwar eine am Schalter erworbene Wochenkarte, aber für nur einen Tag müßte es so etwas auch geben. Laut Legende am Automaten brauchte ich zu diesem Zweck ein "Schöne-Fahrt-Ticket", das Hin- und Rückfahrt sowie die Benutzung anderer öffentlicher Verkehrsmittel beinhaltet. Dummerweise gab es dieses Ticket nicht bei der Ticketauswahl. Zuerst habe ich alleine die einzelnen Tasten ausprobiert, diverse Kaufvorgänge abgebrochen und schließlich (hinter mir begann es sich schon zu stauen) meinen Hintermann um Hilfe gebeten. Zu zweit waren wir auch nicht klüger, und schließlich habe ich die Bahn im allgemeinen und die Ticketautomaten im besonderen verflucht und murrend eine Einzelfahrkarte nach Bielefeld gekauft. Und in Bielefeld dann noch eine Einzelfahrkarte für die U-Bahn gekauft.

Ich weiß schon, warum ich meinen Schülern in Japan immer empfohlen habe, um die Ticketautomaten der Bahn einen weiten Bogen zu machen und gleich zum Schalter zu gehen. Wenn Muttersprachler schon an diesen blöden Maschinen scheitern, weil das gewünschte Ticket dort einfach nicht zu finden ist, was sollen dann Ausländer machen, die der deutschen Sprache eben nicht hundertprozentig mächtig sind?!

Und bevor jemand fragt, warum ich nicht einfach zum Schalter gegangen bin: weil der erst ab acht Uhr geöffnet ist, darum.

Jedenfalls habe ich es trotz der Deutschen Bahn pünktlich zur Bielefelder Uni geschafft.


Gut, daß das Seminar nur einen Tag gedauert hat. Länger hätte ich es in dem häßlichen Kasten auch nicht ausgehalten. (Das im Vordergrund ist jetzt nur das Parkdeck, das Unigebäude ist der riesige Kasten im Hintergrund.) Es mag ja praktisch sein und dem interdisziplinären Austausch dienen, alle Fakultäten in einem Gebäude unterzubringen, aber hätte man die Architekten damals nicht auch um etwas Ästhetik bitten können? Inzwischen hat der Bau auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und macht stellenweise einen etwas heruntergekommenen Eindruck. So ähnlich wie der Oeynhausener Bahnhof, nur größer. Da lobe ich mir "meine" Uni. Das Hauptgebäude könnte zwar auch eine Renovierung vertragen, aber es hat zumindest einen eigenen Charme, der dem Bielefelder Monstrum komplett abgeht.

Genug der langen Vorrede, das Bewerbungstraining begann fast pünktlich um kurz nach neun. In einem kleinen Raum drängten sich fünfzehn Teilnehmer, eine Mitarbeiterin des Hochschulteams der Arbeitsagentur Bielefeld und eine Personalberaterin. Die Atmosphäre war locker und entspannt, wozu sicher auch beigetragen hat, daß sich alle anfangs auf das "Du" einigten. Zuerst stellten wir uns alle kurz der Gruppe vor und nannten unsere Gründe für die Teilnahme und die Erwartungen an das Seminar.

Der erste Programmpunkt: "Wer bin ich?" Natürlich konnte diese Frage nicht für alle Teilnehmer in diesem Seminar beantwortet werden. Das ist die "Hausaufgabe", mit der sich jeder zu Hause und in Ruhe auseinander setzen sollte. Hier ging es nur darum, was alles für die Bewerbungen eine Rolle spielt: neben den (fachlichen) Qualifikationen sind die (persönlichen/sozialen) Kompetenzen ebenso wichtig. Welche Ziele habe ich? Was sind meine Werte? Was möchte ich an meinem achtzigsten Geburtstag in der Laudatio von einem guten Freund über mich hören?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann man so richtig in die Stellensuche einsteigen, denn wenn ich selbst nicht weiß, wer ich bin und was ich will, kann ich auch nicht abschätzen, ob ich in ein bestimmtes Unternehmen passe - und ob das Unternehmen auch zu mir paßt. Und natürlich muß ich überzeugend und mit wenigen Worten erläutern können, warum ich für das Unternehmen XY die geeignete Mitarbeiterin bin. Dabei reicht es nicht aus, nur mit seinen fachlichen Qualifikationen zu argumentieren, sondern man sollte ruhig auch etwas persönlich werden und die Motivation deutlich machen. Zum Beispiel: "Mein Vater und Großvater sind auch Ingenieure, ich selbst habe mich schon als Kind gerne mit Technik beschäftigt, das ist mir sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen."

Das durften wir dann auch üben. Zwei Minuten zum Nachdenken, dann sollten wir uns vorstellen, einem Personalchef gegenüber zu sitzen und in wenigen Sätzen sagen, warum wir die passenden Kandidaten für den Job sind. Anschließend wurde der Kurzauftritt "auseinandergenommen". Was war gut, was könnte besser rüberkommen, etc. Gar nicht so einfach, sich in wenigen Minuten eine konkrete Stelle vorzustellen. Da war ich im Vorteil, ich habe einfach an das Vorstellungsgespräch morgen nachmittag gedacht (an dieser Stelle die große Bitte an alle: morgen um 14:00 gaaaanz fest die Daumen drücken!) und meine Argumentation darauf abgestimmt. War trotzdem schwer. Ich bin nicht besonders gut darin, mich zu verkaufen. Aber da war ich nicht die einzige in dem Seminar. *g* Es gab allerdings auch einen Teilnehmer, bei dem nicht nur ich mich gefragt habe, warum er dabei war. Der junge Mann machte eher den Eindruck, auch ohne Training auf dem Arbeitsmarkt zurecht zu kommen.

Nach der Mittagspause ging es mit den "Kontaktstrategien" weiter. Fazit: auf Stellenanzeigen zu reagieren, reicht nicht (so weit war ich inzwischen auch schon), man muß auch von sich aus aktiv werden. Sprich: auf Messen gehen, potentielle Arbeitgeber anrufen und nach offenen Stellen fragen. Dabei ist es wichtig, keine Ja-Nein-Fragen à la "Haben Sie eine Stelle für mich?" zu stellen. Offene Fragen sind besser: "Wie sieht es bei Ihnen im Unternehmen im Moment aus?" Und wenn es gar nichts gibt, ruhig auch mal nach Empfehlungen fragen. Die beste Zeit für solche Anrufe ist am späten Nachmittag so ab halb fünf. Dann sind die Sekretariate schon nicht mehr besetzt, man kann nicht so leicht vom Vorzimmerdrachen abgewimmelt werden, und der Ansprechpartner hat sein Tagwerk so weit erledigt, ordnet seine Sachen für den nächsten Tag und ist vielleicht sogar "glücklich" über ein wenig Abwechslung.

Der letzte Punkt: die schriftliche Bewerbung. Hier wurde viel altbekanntes wiederholt (auf die optische Gestaltung und die Rechtschreibung achten, Namen und Adresse richtig schreiben, auf das Anforderungsprofil in der Stellenanzeige eingehen, ...), aber es ergaben sich auch einige neue Erkenntnisse. Man kann ruhig mit der Sprache spielen, Slogans des betreffenenden Unternehmens im Anschreiben aufgreifen und so das Interesse des Lesers wecken. Die von vielen Bewerbungsratgebern propagierte "dritte Seite" zum Lebenslauf, auf der man mit ein paar wohlklingenden Worten seine Persönlichkeit darstellt, muß nicht sein. Entweder es ist wichtig, dann gehört es ins Anschreiben, oder es ist unwichtig und gehört überhaupt nicht in die Bewerbung. Beruhigend zu wissen. Das Gesülze in den Beispiellebensläufen meines Bewerbungsbuches hat mich immer schon genervt. Und man sollte das Anschreiben bloß nicht in Times New Roman schreiben. Schriftarten mit Serifen sind out, Arial (z.B.) ist in, das kann man auf aktuellen Werbeplakaten und Flyern sehr schön sehen. Außerdem entschlacken serifenlose Schriften das Anschreiben. Aha. Und Finger weg von den teuren Bewerbungsmappen und was sonst noch von den Ratgeberbüchern propagiert wird. Am besten sind die Klemmappen. Das dürfen auch die billigen von Aldi sein. Der Grund: ein Handgriff, zwei Sekunden, und der Personaler hat die kompletten Bewerbungsunterlagen in der Hand und kann sie mal eben durch den Kopierer jagen. Und ebenso schnell sind die Unterlagen wieder sauber in der Mappe verstaut. Alles andere kostet Zeit. Die edlen Bewerbungsmappen sind darüberhinaus auch noch unpraktisch, weil man sie erst aufklappen muß, bevor man den Inahlt sehen kann. Auf einem Schreibtisch, wo sich die Bewerbungen gewaltig stapeln, ist das ein ganz großes Manko. Ich war ganz geknickt, weil ich neulich erst fünf der teuren Mappen erworben hatte. :-( Und ganz generell gilt: Klasse statt Masse. In kurzer Zeit hundert oder sogar zweihundert Bewerbungen rauszuschicken, bringt wenig, besser ist es, wenige Bewerbungen paßgenau für das jeweilige Unternehmen (und für mich selbst) zu verfassen.

Fazit: es hat insgesamt Spaß gemacht und war keine Sekunde langweilig. Außerdem habe ich viele neue Anregungen für meine Bewerbungen gewonnen und werde das eine oder andere sicher einarbeiten. Nur mit den serifenlosen Anschreiben kann ich mich nicht so recht anfreunden. Trotzdem werde ich es mal mit einer anderen Schriftart versuchen und es mal mit Garamond probieren. Die hat zwar auch Serifen, sieht aber edler als Times New Roman aus. ;-)

Donnerstag, 26. April 2007

Weiterbildung

Morgen "darf" ich früh aufstehen, denn ich habe mich zu einem Seminar angemeldet, das pünktlich um neun in Bielefeld beginnt. Es findet in der Uni statt und wird vom Hochschulteam der Arbeitsagentur veranstaltet. Worum geht's? Es ist ein "Bewerbungsseminar für Studierende und Absolventen/-innen" (muß ja immer schön politisch korrekt sein *g*). Ich zitiere das Programm:

Im Laufe des Vormittags werden Methoden der Selbsterkundung vorgestellt, mit denen Sie Ihr eigenes Qualifikations- und Persönlichkeitsprofil erkennen und erfolgreich darstellen können. Dazu gehören u.a. Marketingstrategien, Stärken- und Schwächenanalysen sowie eine positive Selbstdarstellung. Nach einer einstündigen Mittagspause ist der Nachmittag dem Thema "Kontaktstrategien" sowie der schriftlichen Bewerbung gewidmet.

Aha. Wie das in der Praxis abläuft, werde ich selbstverständlich demnächst berichten. Und jetzt: Feierabend!

Sonntag, 22. April 2007

Freitag, 20. April 2007

Bummel durch Erfurt

Vor einer Woche war ich am Freitag und Samstag bei strahlendstem Wetter in Erfurt zum Vorstellungsgespräch. Das ich selbstverständlich mit einem kleinen Bummel durch die Altstadt verbunden habe. Ich war vor ein paar Jahren schon einmal in der Stadt und fand sie damals schon wunderschön. Daran hat sich nichts geändert. Darum gibt es heute einfach mal viele Bilder aus Erfurt zu sehen. Verbunden mit der Aufforderung an alle, selbst einmal dort hinzufahren und sich die Stad anzusehen. Und die Umgebung am besten gleich mit. Es lohnt sich!


Das neogotische Rathaus am Fischmarkt. Ein richtiger Prachtbau, wie es sich für eine geschichtsträchtige Stadt gehört.


Und direkt gegenüber sind jede Menge Bürgerhäuser, eines davon schöner als das andere. Wie das Haus in der Bildmitte zum Beispiel, das heute eine Kunstgalerie beherbergt.


Links vom Rathaus biegt man dann nach rechts ab und gelangt in die Marktstraße. Schon nach wenigen Metern gabelt sich die Straße, und wenn man dann in die kleine Gasse links von dem schmalen Haus in der Mitte des Bildes geht, gelangt man auf die Krämerbrücke, eines der bekanntesten Wahrzeichen von Erfurt.


Diese Brücke ist mit Fachwerkhäuschen bebaut und somit die einzige Brücke ihrer Bauart nördlich der Alpen. Man glaubt gar nicht, sich auf einer Brücke zu befinden, wenn man zwischen den beiden Häuserreihen hindurchgeht. Es sieht aus wie eine ganz normale Gasse. Zugegebenermaßen, wie eine ganz besonders schöne Gasse.


Von der Seite betrachtet ist es dann aber eindeutig: dicke, gedrungene Pfeiler, es fließt ein (flaches) Flüßchen drunter her - es ist wirklich eine Brücke.


Nur ein paar hundert Meter (meine Schätzung; ist jedenfalls wirklich nicht weit) weiter gibt es ein weiteres interessantes Bauwerk: ein kleines gelbes Häuschen, das halb über dem Wasser hängt. Auch wenn der erste Besuch in Erfurt schon ein paar Jahre zurückliegt: daran habe ich mich erinnert, schon bevor ich wieder in der Stadt war. Die Geschichte ist aber auch zu schön.


Das Haus wurde als eine Art Studentenwohnheim gebaut, in dem mittellose Studenten der Erfurter Universität kostenlos wohnen durften - bei strengem Regiment, versteht sich. Ein privater Bauherr hatte die gute Idee gehabt, wenn ich mich richtig daran erinnere. Nun hatte der gute Mann ein Problem: Wohltätigkeit ist gut und gottgefällig, aber allzu viel zahlen wollte er dafür nun auch wieder nicht. Das Problem waren - natürlich - die Steuern. Die zahlt ja keiner gerne. Die für ein Haus zu entrichtende Steuer wurde damals nach der Grundfläche errechnet, die das Haus belegte. Der großzügige Förderer der Wissenschaften war offenkundig selbst nicht auf den Kopf gefallen und baute das Haus daher halb über dem Wasser. Da nahm es nur die Hälfte der üblichen Grundfläche ein und er mußte folglich auch nur die Hälfte der Steuern zahlen. :-)


Als nächstes bin ich zum Augustinerkloster gegangen und habe einen kurzen Blick durch den Zaun geworfen. Hier ist Martin Luther ins Kloster eingetreten, nachdem er sein Studium an der Erfurter Universität beendet hatte.


Durch ein paar weitere malerische Gassen kommt man dann zum Domplatz, welcher laut Wikipedia "der größte Marktplatz Deutschlands mit intakter bzw. restaurierter Randbebauung" ist. Er ist wirklich riesig, nur leider war er gerade mit allerhand Jahrmarktsbuden und Fahrgeschäften vollgestellt.


Und die Severikirche auf dem Domberg wird gerade restauriert, aber zumindest den Dom konnte ich unverhüllt betrachten.


Die siebzig Stufen nach oben bin ich natürlich auch noch hochgestiegen, um von oben die Aussicht auf den Jahrmarkt zu "genießen". Na ja.


Dann mußte ich mich so langsam auf den Weg zum Bahnhof am anderen Ende der Altstadt machen, und vor der Abfahrt was essen wollte ich natürlich auch noch. Unterwegs kam ich an diesem Leierkasten vorbei, der ein frühliches "Mamma Mia" spielte, während der Leierkastenmann dazu im Takt die kleine Trommel betätigte. Es gab tatsächlich einige Passanten, die sich darüber aufgeregt haben. *pff*


Und hier hätte ich es wunderbar aushalten können ...

Gab es sonst noch etwas Berichtenswertes aus Erfurt?


Ein kleines Dackeltreffen, sonst nichts weiter.

Mittwoch, 18. April 2007

Ungebetener Gast

Da hatte sich doch heute durch das nur einen Spalt geöffnete Dachfenster ein Insekt in mein Zimmer verirrt und fand nicht wieder heraus. Das ging neulich einer Biene schon ganz ähnlich, aber die war wesentlich gescheiter und versuchte die Flucht durch die Fensterscheibe hindurch. Dieses Tier hier versuchte es mit der Holzvertäfelung der Dachschräge und blieb dann erschöpft auf meinen Japanischaufzeichnungen liegen.


Als ich den Collegeblock vorsichtig anhob, rührte es sich nicht vom Fleck. Auch nicht, als ich den Collegeblock durch das mittlerweile weit geöffnete Fenster hielt. Da mußten rabiatere Methoden her: mit einem zweiten Block habe ich das Insekt schließlich vom Block geschubst.

Dank Naturkundeführer (erstaunlich, was meine Eltern so alles im Bücherschrank haben) ließ es sich dann relativ schnell als Grüne Stinkwanze identifizieren. Kein vertrauenserweckender Name. Wie gut, daß ich diesen Gast relativ schnell wieder nach draußen befördern konnte.

Morgenstimmung

Freitagmorgen um halb acht:


Nicht viel los auf dem Oeynhausener Bahnhof.


Nur ein paar Pendler stehen herum. Wie immer also, nur etwas früher als gewöhnlich.

Dienstag, 17. April 2007

Mitreisende

Donnerstagabend im Regionalexpreß von Dortmund nach Bad Oeynhausen.

Gleichzeitig mit mir steigen drei männliche Deutsche mit Migrationshindergrund im Alter von ca. 18 bis 20 ein und belegen die Reihe vor mir. Ihre Bemühungen, sämtliche über sie kursierenden Klischees auszufüllen, sind von Erfolg gekrönt. Hätte ich soviel Gel in meinen Haaren, ich würde meinen Kopf sofort unter den nächsten Wasserhahn halten. (Aber ich bin mit meinen Haaren auch etwas pingelig und bekomme schon Zustände, wenn ich sie nicht täglich waschen kann.) Weiße Jacken, helle Hosen, schicke Turnschuhe. Auf Goldkettchen habe ich nicht geachtet. Der eine fuchtelt den beiden anderen ständig mit seinem Handy vor der Nase herum, um sie auf ein darauf gespeichertes Foto aufmerksam zu machen: "Ey, Alter, törnt dich das an? Junger Mann, törnt Sie das an?" Das alles natürlich in der entsprechenden Lautstärke.

Glücklicherweise steigen sie an der dritten Haltestelle wieder aus. Diskretes Aufatmen meinerseits. Die Hoffnung, mich nun auf meine Lektüre (hochinteressante Broschüren, die ich bei meinem Vorstellungsgespräch am Vormittag erhalten hatte) konzentrieren zu können, erfüllt sich jedoch nicht, denn nun betreten vier weibliche Deutsche ohne Migrationshintergrund (Alter: zwischen 15 und 16) den Wagen und setzen sich auf die vier Plätze schräg rechts hinter mir, weil sie sich dort gegenüber sitzen können. Schon nach zwei Minuten wünsche ich mir die jungen Männer mit Migrationshintergrund zurück. Die waren ja nur zu dritt.

Die vorherrschenden Klischees über in Horden auftretende Mädchen ihres Alters (albern, zickig, laut, ...) füllen sie problemlos aus. Ihre Gesprächsthemen (ein Mädchen namens Julia, Einkäufe, Eltern, Freunde) interessieren mich eher nicht, aber leider sind die vier auch unüberhörbar. Mindestens eine von ihnen hat überdies ständig ihr Handy am Ohr und muß ihre Freundinnen nebenbei über den Inhalt des Telefonats unterrichten. Zum Glück steigen die vier schnatternden Gänse in Gütersloh wieder aus.

Ich sehe durch die schmierige Fensterscheibe nach draußen und wünsche mich nach Japan zurück.

Sonntag, 8. April 2007

Stöckchen gefunden

Gerade eben habe ich bei Sabine ein Stöckchen gefunden, das ich bekennende Leseratte spontan aufheben mußte:

Gebunden oder Taschenbuch?
Wenn ich es gerade lese, ist mir das Buch in Taschenbuchform lieber (leichter, etwas flexibler und außerdem billiger in der Anschaffung), aber wenn es dann im Regal steht, hätte ich es lieber im festen Einband. Es steht besser und fällt nicht gleich um.

Amazon oder Buchhandel?
Buchhandel! Ich bin Spontankäufer: ich gehe in meine Lieblingsbuchhandlung, stöbere im Angebot, blättere hier und lese da einen Klappentext (oder auch schon mal - gaaanz vorsichtig - die erste Seite) und entscheide mich dann für ein Buch, das mich entweder neugierig macht oder das ich schon immer mal lesen wollte. Und ich muß es einmal angefaßt haben. Die haptische Erfahrung gehört für mich zum Lesen dazu. Deswegen werde ich mir auch nie eine Zeitung als E-Paper abonnieren. Nie! Im Internet bestelle ich nur in Ausnahmesituationen, und dann in der Regel bei der Bundeszentrale für politische Bildung, denn selbst Bestellungen erledige ich lieber im Laden. Wer die Buchläden erhalten will, muß die Finger von Amazon und Co. lassen.

Lesezeichen oder Eselsohr?
Ein Buch ist ein Kulturgegenstand, da wird nichts umgeknickt. Allerhöchstens mal was angestrichen, aber nur Fachliteratur. Als Lesezeichen dient (s. Sabine) oft ein Fitzelchen Papier, das gerade herumliegt, aber inzwischen besitze ich auch ein paar schöne Lesezeichen. Alle aus Japan. Ein paar bestehen aus ganz dünnem Bambus, sind mit einem hübschen Motiv bemalt (am liebsten habe ich die kleine Eule), und dann habe ich noch drei, die innen drin eine Art Duftelement enthalten. Da riecht das Buch ganz leicht nach japanischem Tempel. Hmmm ... *genieß*

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?
Sachbücher ordne ich thematisch, Belletristik chronologisch nach Autoren.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Da mir alle meine Bücher lieb und teuer sind, kann ich es einfach nicht übers Herz bringen, sie wegzuwerfen. Da kommt bei mir der Urzeitinstinkt (Jäger und Sammler) durch. Auch aus Japan habe ich einen Großteil der neuen Bücher mit nach Deutschland geschleppt. Eins habe ich verkauft, andere verschenkt.
Die Bücher, die ich weggeworfen habe, kann ich fast an den Fingern einer Hand abzählen:
1. Das total veraltete, zerfallende, vergammelte Physikbuch, das ich in der Mittelstufe benutzen mußte und danach behalten durfte. Nach der 10 habe ich Physik abgewählt und das Buch bei strömendem Regen feierlich über der blauen Tonne in seine Bestandteile zerlegt.
2. Ein paar Bücher, die ich mir seinerzeit zu Studienzwecken in Moskau angeschafft hatte. Da ging es um die russische Debatte "wer sind wir? woher kommen wir? was macht das Russentum aus?", waren etwas rechtslastig und hatten meine Toleranzschwelle für Schwachsinn schon nach den ersten zehn Seiten überstrapaziert.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Behalten natürlich. Gehört doch zum Buch dazu.

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Mit. Dann brauche ich kein Lesezeichen.

Kurzgeschichten oder Roman?
Sowohl aus auch. Eher Romane, weil sie auch Nebenhandlungen Platz bieten und in ihnen mehr Raum für die Entwicklung der Figuren ist. Aber die Erzählungen von Čechov und Ulickaja sind auch nicht zu verachten. Ganz im Gegenteil! (Bei Čechov würde ich allerdings empfehlen, nicht zu viele von seinen Erzählungen hintereinander weg zu lesen - soviel geballter Realismus kann ganz schön deprimierend sein.)

Sammlung (Kurzgeschichten von einem Autor) oder Anthologie (Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren)?
Bei Kurzgeschichten bzw. Erzählungen mag ich Anthologien nicht sonderlich. Bei Lyrik darf es dann auch einmal eine Anthologie sein.

Harry Potter oder Lemmony Snicket?
Harry Potter!! Und zwar in allen Sprachen, die ich lesen kann (an Japanisch arbeite ich noch).

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel endet?
Das hängt davon ab, wie lang das Kapitel noch ist und wie müde ich bin. Nach Möglichkeit versuche ich schon, das Kapitel auch zu beenden.

"Die Nacht war dunkel und stürmisch" oder "Es war einmal"?
Früher habe ich eher Märchen gelesen. Inzwischen geht mir nichts über einen guten, spannenden Krimi.

Kaufen oder leihen?
Leihen würde sowohl meinem Geldbeutel als auch meinem Bücherregal gut tun. In Japan war ich so vernünftig, mir auch viele Bücher zu leihen. Aber trotzdem kaufe ich mir Bücher lieber neu. Wie oben schon erwähnt, brauche ich die haptische Erfahrung beim Lesen, und die ist bei neuen Büchern einfach besser: das Buch riecht gut (ist Euch schon mal aufgefallen, daß Büchereibücher oft nach Zigarettenqualm stinken? Das ist nicht schön!), das Papier ist glatt, ohne Kaffeeflecken - und ich bin die erste Person, die die Seiten aufschlägt.

Neu oder gebraucht?
S.o.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Meistens Stöbern. Ich habe meine eigene Liste mit Büchern, die ich noch lesen möchte, im Kopf, und oft erstöbere ich ein Buch, das auf dieser Liste steht. Oder eines, das ich im Moment des Findens sofort mit auf die Liste packe. ;-) Ich lasse mich aber auch gerne von Empfehlungen und Rezensionen in der Zeitung meines Vertrauens leiten. Bestsellerlisten sind was für Leute, die Bücher als Schmuckobjekt ins Regal stellen.

Morgens, mittags oder nachts lesen?
Morgens lese ich erst einmal meine Zeitung, außer Sonntags, da lese ich auch schon ein Buch zum Frühstück. Ansonsten lese ich nachmittags bei einer oder zwei oder drei Tassen Tee, und natürlich abends vor dem Einschlafen. Den neuen Harry Potter lese ich solange, bis ich mit dem Buch durch bin.

Einzelband oder Serie?
Am liebsten Einzelbände, denn die nächste Geschichte lockt. Auch wenn es natürlich gute Serien gibt: Harry Potter, Bartimäus, die Inspector-Jury-Reihe, ...

Lieblingsserie?
Ich glaube, Ihr kennt die Antwort bereits ...

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
"Dschamilja" von Tschingis Aitmatov. Immer wieder schön.

Lieblingsbuch, das Du letztes Jahr gelesen hast?
In der Belletristik war das ganz eindeutig Bartimäus (und zwar alle drei Bände). Den frechen Dschinn hatte ich von der ersten Seite an ins Herz geschlossen.
Das beste Sachbuch des vergangenen Jahres: "Collaps" von Jared Diamond. Lesebefehl!!

Welches Buch liest Du gegenwärtig?
"Mitteleuropas Osten. Ein historisch-politischer Grundriss" von George H. Hodos. Weil ich (trotz meiner Beschäftigung mit Osteuropa während meines Studiums) immer noch viel zu wenig über diese Region weiß.

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Schwer zu sagen, da ich schon so viele hervorragende Bücher gelesen habe und noch viel mehr hervorragende Bücher noch nicht gelesen habe. Aber wenn ich mich für eines entscheiden soll, dann sind es die gesammelten Gedichte von Bulat Okudshava. Das ist das Buch, das ich in schweren Stunden in die Hand nehme. Und in nicht so schweren Stunden natürlich auch. :-)

Und wer sich von diesem Stöckchen angesprochen fühlt, der möge es aufheben!

Freitag, 6. April 2007

Gute Aussicht

Mein Zimmer hier ist doppelt so groß wie das in Japan (was aber auch keine Kunst ist!!), und es hat ein Fenster. Das ist allerdings nur eine kleine Dachluke. Was soll's, das Zimmer ist schön (müßte allerdings dringend mal wieder aufgeräumt werden). Das schönste daran aber ist - zumindest in dieser Woche - die Aussicht aus meinem Fensterchen:


Direkt auf die japanische Zierkirsche der Nachbarin. :-)

Dienstag, 3. April 2007

Groggy

Es ist mir ein Rätsel, weshalb man sich bei einer harmlosen Erkältung gleich völlig erschlagen fühlen muß.

Samstagabend, auf der Rückfahrt von Dortmund, glaubte ich noch an reine Müdigkeit, auch wenn der Hals schon unangenehm zu kratzen begann. Dann kam der Sonntagvormittag, und mit ihm starke Halsschmerzen, noch stärkere Kopfschmerzen und eine fleißig laufende Nase. Am Montag weniger starke Halsschmerzen, dafür Husten, weniger starke Kopfschmerzen, dafür am Abend leichtes Fieber (vermute ich mal, war zu faul zum Messen - man muß ja nicht alles wissen ;-) ), und immer noch starker Schnupfen. Heute habe ich das Gröbste hinter mir, bin nur immer noch etwas träge. Und warum das alles? Wegen einer simplen Erkältung!! Das war doch praktisch nichts, Lebensgefahr bestand nie, aber trotzdem fühle ich mich reichlich groggy. *kopfschüttel*

So, und jetzt ab in die Heia. Morgen will ich von Schnupfen, Husten etc. nichts mehr wissen!!

Heim-statt Tschernobyl

Am Wochenende, genauer gesagt: Freitag und Samstag, war ich in Dortmund zum Vorbereitungstreffen der diesjährigen Mutter-Kind-Freizeit des Vereins Heim-statt Tschernobyl e.V. in dem wunderschönen Dorf Drushnaja im ebenso wunderschönen Norden Weißrußlands. (Den Bericht von der Freizeit im letzten Jahr könnt Ihr hier nachlesen.) Falls ich bis dahin keine Arbeit gefunden habe, bin ich wieder als ehrenamtliche Mitarbeiterin dabei. Letztes Jahr ging es ja leider nicht.

Vor zwei Jahren bin ich eher zufällig dazu geraten. Ein alter Bekannter meines Vaters engagiert sich seit Jahren in dem Verein und saß eines schönen Abends im Mai (es war der Geburtstag meiner Mutter, aber das wußte er glücklicherweise nicht) mit Irmgard, der Leiterin der Freizeit, zusammen, und sie erwähnte, daß eine ehrenamtliche Mitarbeiterin kurzfristig abgesprungen sei. Jetzt herrschte akuter Personalmangel, und das weniger als einen Monat vor Beginn. Da fiel dem Helmut plötzlich ein, daß die Tochter eines alten Bekannten (= meine Wenigkeit) erstens Russisch spricht und zweitens arbeitslos ist. Er griff spontan zum Telefon, rief bei uns an, und ich sagte ebenso spontan zu. Am nächsten Tag hatte ich die Einladung zum Vorstellungsgespräch bei Nova im elektronischen Briefkasten, das ich glücklicherweise auf die Zeit nach der Mutter-Kind-Freizeit legen konnte. Mit dem Job hat es dann bekanntlich ja auch geklappt. Ich bin nicht abergläubisch, aber ich habe das Gefühl, daß mein Einsatz bei Heim-statt Tschernobyl mir Glück gebracht hat. Mal abgesehen davon, daß er mir wahnsinnig viel Spaß und Freude bereitet hat, und daß ich neue Freunde gewonnen habe.

Jedenfalls habe ich damals sofort zugesagt, mich am Tag nach dem Anruf mit Irmgard getroffen, mir etwas über die Arbeit des Vereins erzählen lassen und schließlich den Visumantrag ausgefüllt. Die anderen Mitarbeiter aus Deutschland habe ich erst in Berlin auf dem Bahnhof kennengelernt. Ich bin kein Mensch, der einfach auf andere zugehen kann, ich brauche immer eine gewisse "Aufwärmphase", wenn ich neue Leute treffe. Aber hier dauerte es nicht einmal fünf Minuten, und ich hatte das Gefühl, die anderen schon ewig zu kennen. Mit den weißrussischen Mitarbeitern ging es mir ebenso. Es war eine tolle Zusammenarbeit, entspannt und konfliktfrei. Alle verstanden sich prächtig und genossen die gemeinsame Zeit. Und daß Irmgard mir zum Abschied sagte: "ich würde dich jederzeit wieder mitnehmen", hat mich natürlich riesig gefreut. :-))

Nun ist es ja so, daß ich derzeit schlecht einen Urlaub planen kann, wenn ich nicht weiß, ob ich in der betreffenden Zeit nicht doch Arbeit habe. Und Arbeit geht nun mal vor. Mit Irmgard hatte ich mich daher so geeinigt, daß ich mich erst einmal an den Planungen und Vorbereitungen beteilige und sozusagen "auf Abruf" dabei bin. Wenn ich wegen Arbeitsaufnahme nicht mitkommen kann, ist es in Ordnung. Auch wenn es dann knapp wird, weil es dieses Jahr (mich mitgezählt) nur vier deutsche Mitarbeiterinnen sind.

Tja, und am Wochenende war, wie gesagt, das Vorbereitungstreffen in Dortmund. Zwei der Mitarbeiterinnen kannte ich noch nicht, aber es war wie vor zwei Jahren: es waren nicht einmal fünf Minuten rum, und schon hatten wir das Gefühl, uns ewig zu kennen. Produktiv waren wir auch. Am Freitagnachmittag haben wir alles durchgesprochen, Unterkunft, An- und Abreise, Organisation und inhaltliche Gestaltung, usw. Ich hatte meinen kleinen Laptop mit und habe Protokoll geführt. Das sind wir am Samstagvormittag noch einmal durchgegangen um sicherzugehen, daß wir auch nichts vergessen hatten.

Jetzt bin ich innerlich gespalten: einerseits möchte ich schnellstmöglich eine Arbeit haben, aber andererseits würde ich auch wahnsinnig gerne wieder nach Drushnaja fahren ... *seufz*

A propos: gestern und heute haben sich Gelegenheiten für zwei Vorstellungsgespräche ergeben. Habe ich nicht gesagt, daß es mir Glück bringt?! :-))