Dienstag, 27. November 2007
Donnerstag, 22. November 2007
Absurdistan hoch drei
Die Arbeitsagentur hat sich dieses Mal selbst übertroffen: erst vor zwei Tagen habe ich mich arbeitslos melden dürfen, schon gibt es jede Menge zu erzählen.
Und ich habe SO einen Hals.
Aber der Reihe nach.
Dienstagvormittag. Ich bin im neuen Kundenzentrum der Agentur für Arbeit Berlin Süd in der Sonnenallee (genau, die aus dem Film). Neukölln. Am Empfang bekomme ich die üblichen Zettel zum Ausfüllen und werde gebeten, mich in den Wartebereich im zweiten Stock zu begeben und zu warten, bis ich aufgerufen werde. In der Zwischenzeit könne ich ja schon mal die Formulare ausfüllen.
Das mit dem Aufrufen funktioniert erfreulich schnell. Ich gehe zu dem betreffenden Sachbearbeiter und muß feststellen: ich habe einen Azubi erwischt, der von seiner Ausbilderin (nicht viel älter als ich) noch eingewiesen wird. Folglich sind die beiden erst einmal gut miteinander beschäftigt. Ich bin uninteressant.
Meine Daten sind allerdings alle noch im Zentralcomputer gespeichert, weil meine letzte Arbeitslosigkeit ja nun noch nicht so lange zurück liegt. Nur die Adresse stimmt natürlich nicht mehr und muß geändert werden.
„Frag sie mal, ob die Telefonnummer noch stimmt.“
Der Azubi dreht sich auf seinem Stuhl um und bequemt sich, mich auch einmal anzusehen.
„Stimmt Ihre Telefonnummer noch? Wir haben hier eine ...“ (er dreht sich wieder um und starrt auf den Bildschirm) „05731 ...“
Sieht das wohl wie eine Berliner Nummer aus?! Aber ich bleibe nett, man muß die Ausbildung der Jugend ja unterstützen.
„So, und wenn du jetzt auf ihre Postleitzahl schaust, dann stellst du fest, daß wir eigentlich gar nicht für sie zuständig sind. Warum ist sie denn wohl trotzdem hier?“
Ich: „Weil ich gestern bei Ihrer Hotline angerufen ...“ – aber da wird mir schon mit einer Handbewegung bedeutet, ich solle bitte den Mund halten. (Die richtige Antwort lautet: weil sie Akademikerin ist – und gleich platzt.)
So schnell kann das gehen: vor einer Woche noch durfte ich einem leibhaftigen Ministerpräsidenten die Hand schütteln, und jetzt werde ich von zwei Sachbearbeitern der Arbeitsagentur ignoriert.
Danach gibt es nur noch das übliche: das sogenannte Arbeitspaket III, das ich ausfüllen und zusammen mit einer Musterbewerbung bis zum 27.11. wieder abgeben soll. Eine Belehrung darüber, daß meine fünf Monate Beschäftigung nicht für einen Anspruch auf ALG I ausreichen. Das müßten schon mindestens zwölf sein. Toll. Ob ich ALG II, auch Hartz IV genannt, beantragen wolle? Nein, danke. (Ich besitze doch zuviel davon, was man als „Vermögen“ bezeichnen könnte, um da anspruchsberechtigt zu sein, also erspare ich mir den Aufwand.)
Gut, das war es dann. Erster Termin mit dem Arbeitsvermittler am 12.12. (Eilt ja nicht.)
Jedenfalls war ich danach erst einmal so richtig schön gefrustet. Vorher war es mir eigentlich recht gut gegangen. Irgendwo hatte sich die Insolvenz schon abgezeichnet (auch wenn es dann doch recht plötzlich ging), die Stimmung im Büro war eisig – es hatte wirklich keinen Spaß mehr gemacht, da zu sitzen. Nach der Kündigung fühlte ich mich irgendwie befreit, denn jetzt war wenigstens die Unsicherheit vorbei.
Am Dienstagabend bin ich dann gemeinsam mit der zukünftigen Ex-Kollegin noch auf eine Veranstaltung gegangen, für die ich in meiner aktuellen Eigenschaft als Redakteurin eingeladen worden war. Das schöne an den Veranstaltungen dieser Art ist (neben dem meist guten Essen, das es da umsonst gibt ;-) ), daß sich da im Großen und Ganzen immer dieselben Leute rumtreiben. In den letzten fünf Monaten habe ich so schon einige Bekanntschaften gemacht und Kontakte geknüpft, und einer dieser Bekanntschaften sind wir gleich schon am Eingang über den Weg gelaufen.
„Wie geht’s?“
„Danke, gut. Ich wurde gestern entlassen.“
„Hmhm. WAS?!“
Filmreif, der Gesichtsausdruck.
Aber sobald er sich wieder einigermaßen gefaßt hatte, machte er mir gleich ein Jobangebot. „Wir brauchen da dringend jemand und suchen schon ganz lange. Du wärst genau die richtige dafür. Wenn nur Dein Französisch besser wäre ... Du müßtest viel übersetzen ...“
Da hatte die zukünftige Ex-Kollegin den rettenden Einfall: „Müßtest Du nicht nach einem Intensivkurs wieder fit sein? Und wenn Du schon ein Jobangebot hast, dann müßte das Arbeitsamt diesen Kurs auch zahlen. Frag doch morgen gleich mal nach, ob Du so einen Bildungsgutschein bekommst!“
Gesagt, getan. Am nächsten Vormittag machte ich mich wieder auf den Weg. Das sogenannte Arbeitspaket III hatte ich gleich dabei, denn wenn ich es persönlich abgeben, spare ich das Porto. Und da ich eine Monatskarte habe, ist es ja egal, wie oft ich da hinfahre. Zeit habe ich jetzt ja auch wieder massig.
Selbes Spiel wie am Tag zuvor. Empfang, Wartebereich, Sachbearbeiterin. Gottseidank nicht der Azubi, sondern eine nette Frau, die auch einen etwas kompetenteren Eindruck machte. Und mich nicht wie Luft, sondern wie eine Kundin behandelte. Sie freute sich sehr über die gute Nachricht und machte einen entsprechenden Vermerk in meiner „Akte“, mit Bitte an die zuständige Arbeitsvermittlerin, mich so schnell wie möglich anzurufen.
Dieser Anruf erfolgte nur zwei Stunden später. Nach Schilderung meines Anliegens gab sie mir einen Termin am nächsten Tag (also heute) um zwölf Uhr. Da würde ich einen Bildungsgutschein bekommen. Bis dahin könnte ich mich ja schon mal nach einer Sprachschule umschauen. Eine konnte sie mir auch gleich nennen – kannte ich sogar vom Namen nach, da sie immer in unserer Zeitschrift inseriert. Hat, muß ich jetzt dazusagen. Weil die Suche auf der Webseite der Arbeitsagentur nur Fehlermeldungen ergab, habe ich dann da angerufen und gleich einen Termin für ein Beratungsgespräch um 16:00 bekommen. Was sehr erfreulich verlief. Französisch ist nicht so stark gefragt und das Niveau der Schüler häufig unterschiedlich, aber da wäre eine Gruppe, die gerade erst anfängt und bei der ich gleich am Montag einsteigen könne. Vorvertrag ausgefüllt, aber noch nicht unterschrieben, den sollte ich am nächsten Tag zur Arbeitsagentur mitbringen. Mit dem Bildungsgutschein solle ich dann gleich am Nachmittag wieder zur Schule kommen, mit dem Lehrer sprechen (Einstufungstest muß sein), die Unterlagen am Freitag zur Arbeitsagentur schicken und dann am Montag mit dem Kurs anfangen.
Heute saß ich dann im Warteraum in der Akademikerabteilung der Arbeitsagentur in der Sonnenallee. Quadratischer Raum ,großes Fenster mit Aussicht auf Neukölln. Je sechs in einem merkwürdigen Hellblau gestrichene Metallstühle auf der einen und der anderen Seite. Die Wände in einem sympathischen Hellgrau gestrichen. Keine Bilder, keine Pflanzen, keine Infoblätter und auch sonst nichts. Wahnsinn. Habe mir später die Frage verkniffen, ob der Raum so bleiben soll oder vielleicht doch noch etwas dekoriert wird. Jede vergammelte Wartehalle russischer Bahnhöfe hat mehr Charme.
Das Gespräch mit der Arbeitsvermittlerin (wirre graue Locken) verlief zunächst gut. War ja an sich nur noch eine Formsache. Muß die ja auch freuen, wenn sie ihre „Kunden“ gleich wieder los sind. Es ging noch mal kurz um die Frage, warum ich keinen Antrag auf Hartz IV stellen wolle. Sie war schon drauf und dran, mir den Bildungsgutschein auszurucken, als ihr noch etwas einfiel. Zu welchem Termin mir denn gekündigt worden sei. Zum 30.11.? Aber dann sind Sie ja noch in dem Beschäftigungsverhältnis? Sind Sie freigestellt oder haben Sie Urlaub? „Ja, ich bin freigestellt. Die Geschäftsführerin hat mir gesagt, ich sei freigestellt und solle einfach meinen Urlaub nehmen.“ Ja, da müßte sie jetzt aber erst noch einmal nachfragen. Ich wurde wieder in den Wartesaal verbannt.
Dann kam es: Im Urlaub könne man an keiner Maßnahme teilnehmen, denn der Urlaub sei ja zur Erholung da und da hätte ich einen Anspruch drauf.
(Sollte das nicht mein Problem sein, wie ich meinen Urlaub nutze?)
Etwas anderes sei es, wenn eine Freistellung vorliege. Ja, aber ich wurde doch freigestellt! Nein, das brauchen wir schriftlich. (Gut, an so einen Wisch ist dranzukommen.)
Aber dann gab es noch ein anderes Problem: da ich keinen Anspruch auf ALG I habe, sei eigentlich das Jobcenter dafür zuständig und müsse den Bildungsgutschein finanzieren. Nur mit einem offiziellen Ablehnungsbescheid für Hartz IV sei die Arbeitsagentur wieder für mich zuständig.
Ich dachte, ich bin im falschen Film. Ich muß also erst mal Hartz IV beantragen und eine Ablehnung bekommen, bevor die mir diesen blöden Bildungsgutschein aushändigen können, den ich brauche, um die neue Arbeitsstelle antreten zu können? Seid ihr noch zu retten?!
Kein Problem, Ablehnungen würden immer ganz schnell bearbeitet.
(Erbitte die Definition von „ganz schnell“ im Zusammenhang mit Behörden.)
Und dann kam er, dieser wunderbare Satz: „Sie können nicht einfach auf Ansprüche verzichten, wenn zwei verschiedene Finanzierungsquellen involviert sind.“
Bis dahin hatte ich noch gedacht, in einem relativ freien Land zu leben.
Ich machte mich dann auf den Weg zum Jobcenter in Schöneberg. Habe als freigestellte künftige Arbeitslose im Urlaub ja sonst nichts besseres zu tun. Die Frau war auch nicht in der Lage, mir eine ordentliche oder überhaupt irgendeine Wegbeschreibung zu geben. Glücklicherweise war das genau da, wo ich am Montag schon vor verschlossener Tür gestanden hatte, und ich hatte noch eine ungefähre Erinnerung an den Weg dorthin.
Am Jobcenter wurde mir ein dicker Stapel Formulare, der Hartz IV-Antrag, ausgehändigt. Dazu gab es einen kleinen Zettel mit einer Telefonnummer. „Rufen Sie da an, und lassen Sie sich einen Termin geben.“ „??? Es eilt aber etwas...“ Habe dem Mädel mein Problem erklärt. „Dann sagen sie das, wenn sie da anrufen und bitten, irgendwo zwischengeschoben zu werden. Und füllen Sie so viel wie möglich schon mal zu Hause aus.“
Irgendwann fällt selbst einer leidgeprüften Ex-NOVA-Lehrerin das Lächeln schwer. Ich warf dem Mädel nur einen grimmigen Blick zu, schnappte mir die Antragformulare und verabschiedete mich mit einem unfreundlichen „Ich habe keine Lust mehr. Tschüs.“
Ich weiß, das war unhöflich. Ich weiß, das Mädel konnte nichts dafür. Aber das war mir in dem Moment sowas von egal.
Fazit: um kurz vor elf aus dem Haus, um halb drei wieder zurück. Zwei Ämter besucht, von Pontius zu Pilatus gelaufen, nichts als Frust geerntet. Ich will gar nicht wissen, wie viele Nerven mich der Saftladen heute schon gekostet hat.
Ich habe echt keine Lust mehr. Wie sagte meine Arbeitsvermittlerin doch so schön: „Sie haben Urlaub, und da sollen Sie sich erholen.“ Wo sie recht hat, hat sie recht. Und deshalb habe ich mir erst einmal Arbeitsagenturabstinenz verordnet. Fürs erste habe ich da genug Nerven verloren. Und meine Zeit kann ich auch sinnvoller rumbringen. Mit dem Schreiben von Bewerbungen, zum Beispiel.
Montag, 19. November 2007
Schlechte Nachricht
Nun denn, morgen auf ein Neues ...
Mittwoch, 14. November 2007
Zum Geburtstag
Sonntag, 11. November 2007
Jäger und Sammler

Freitag, 2. November 2007
Dienstreisen
Das Schöne an diesen Städteportraits ist, daß ich dabei eine ganze Menge lerne. Zum Beispiel, daß auch Ingolstadt (von dem ich bislang auch nur den Namen kannte) nicht nur AUDI-Standort, sondern auch eine wirklich schöne Stadt ist, die einen Besuch durchaus lohnt.

Nun, unser Besuch dort begann mit einem Abstecher zu besagtem großen Autohersteller, wo wir eine Werkstour mitmachen durften. Spannend!! Obwohl mich Autos nicht die Bohne interessieren (Hauptsache, es fährt), war die Besichtigung der Produktionsstätte unglaublich faszinierend. So was kannte ich doch bislang nur aus der Sendung mit der Maus. Das einzige, was ich vermißt habe, und zwar wirklich vermißt, war Armins Stimme aus dem Off. Na gut, die Werksführerin tat's auch. ;-)
Nach der Werksbesichtigung machten wir noch einen kleinen Rundgang durch das museum mobile (oben im Bild), wo wir etwas über die Firmengeschichte erfuhren und viele schicke alte Autos ansehen konnten.
Weil die Strecke Berlin-Ingolstadt und zurück nun wirklich nicht an einem Tag zu schaffen ist, übernachteten wir in einem schönen Hotel und machten die Stadtführung erst am nächsten Tag. War auch besser so, da schien nämlich die Sonne.







Eine Woche später waren wir schon wieder unterwegs:

In Erfurt auf der Krämerbrücke (immer wieder schön!) ...

Mittwoch, 17. Oktober 2007
Dienstag, 16. Oktober 2007
Montag, 15. Oktober 2007
Freitag, 5. Oktober 2007
Montag, 24. September 2007
Elternbesuch

Internet
Der alte Computer wurde während meines Auslandsaufenthaltes von meinem Vater in Beschlag genommen, dafür bekam mein Brüderchen dessen alten und meine Mutter wieder einen anderen. Innerhalb von dreizehn Monaten ist da eine Menge Daten zusätzlich drauf abgespeichert worden - da müßte erst einmal die Festplatte "geputzt" werden, bevor ich das Teil wiederhaben möchte. Und außerdem benutze ich jetzt ja eh nur noch mein kleines tragbares Schätzchen.
Jedenfalls rief ich bei T-Online an, um neue Zugangsdaten anzufordern, mit denen ich dann auf meine Kosten und eigene Abrechnung über die Telefonverbindung in meiner Wohnung, die auf den Namen des Vermieters läuft, nutzen könnte. Meine Kundennummer wollte die Frau im Callcenter aber gar nicht wissen, sondern erst einmal die Telefonnummer des Anschlusses. Und Name und Adresse des Vermieters. Sie bot mir dann ein Paket mit 30 Freistunden Internet im Monat an, mit Modemverbindung und für 15 Euro im Monat. Klang gut. "Bitte schicken Sie das aber auf meinen Namen, ja?"
Natürlich kam die Post dann - über eine Woche später (die haben es auch nicht eilig, neue Kunden zu gewinnen) - an den Namen des Vermieters adressiert an. Super. Genau, was ich vermeiden wollte. Daß es da eine Mindestlaufzeit von zwölf Monaten gibt und ich das bei einem eventuellen Umzug (ich werde die Wohnungssuche demnächst mal wieder aufnehmen, auch wenn Wohnungssuche in Berlin nicht gerade Spaß macht) nicht mitnehmen kann, sondern dier Vermieter jeden Monat 15 Euro für etwas zahlen muß, was er weder nutzen will, noch kann. Er lebt nämlich nicht in Berlin.
Begeistert war er auch nicht, als ich ihn anrief und ihm die Sache beichtete. Klar. Und zu allem Überfluß ist er derzeit im Urlaub. Klärung also erst in zwei Wochen. Und ich hatte mich schon so darauf gefreut, abends in meiner Wohnung gemütlich im Internet surfen zu können!
Begegnung
Der Geistliche kam auf mich zu. "Sie wollen doch bestimmt auch zu den Armeniern!" Erstaunlich. Woran hatte der das erkannt? Ich sehe schließlich nicht wie eine Armenierin aus. Und ich glaube auch nicht, daß man mir die Journalistin ansieht. Vielleicht haben die alten Ostkirchen auch einfach nur einen besseren Draht nach ganz oben, wer weiß? ;-)
Er war übrigens auch kein Armenier, sondern Kopte. Und zwar Bischof eines Klosters in Höxter. Fast bei mir daheim also. Meine Frage: "Welche Beziehung haben denn die Kopten zu der Armenischen Kirche?" Antwort: Die alten orientalischen Kirchen bilden eine sakramentale Gemeinschaft. Soll heißen, man darf nicht nur die Gottesdienste der jeweils anderen Kirche besuchen, sondern auch z.B. die Kommunion empfangen. Da könnte sich der Benedikt ruhig mal eine Scheibe von abschneiden!
Während wir so weitergingen (die Richtung hatten wir mittlerweile von einer älteren Dame erfragt, denn die Lebenserfahrung des Bischofs besagt, daß alte Frauen in der Regel diejenigen mit der besten Ortskenntnis sind - und so war es auch in diesem Fall), meinte er mit einem amüsierten Lachen, die Leute wären bei seinem Anblick schon etwas nervös geworden. Ein älterer, irgendwie orientalisch aussehender Mann mit langem Bart, schwarzem Gewand, fremdartiger Kopfbedeckung - und vor allem dieser kleine Trolley! "Aber mit dem Kreuz auf dem Bauch müßten Sie doch eigentlich aus dem Schneider sein, oder?" (Zugegeben, das Modell, das er an dem Tag zur Schau stellte, war hauptsächlich schwarz und hob sich nicht sooo sehr von dem ebenfalls schwarzen Gewand ab, war aber dennoch eindeutig als Kreuz zu erkennen. Für mich jedenfalls.) "Nein, leider nicht. Damit zählen mich einige dann zu den iranischen Mullahs." *AUTSCH!*
Montag, 10. September 2007
Staatsbesuch

Ins Bundeskanzleramt kamen wir erfreulich schnell hinein - die längste Schlange war vor der Garderobe, wo wir die Taschen abgeben mußten, und dann gab es noch eine kurze Pause vor der Sicherheitsschleuse. Aber alles in allem dauerte es keine halbe Stunde, und wir waren DRIN. Vor dem Eingang war zum Bestaunen der Kanzlerinnenwagen geparkt, eine schicke Limousine einer bekannten Marke, für die ich hier keine Werbung machen will. Das Auto durfte am Abend dann sicher einmal durch die Waschanlage, denn nachdem schätzungsweise jeder zweite einmal mit den Händen an die Scheibe gepackt hatte, sah der Wagen dann doch nicht mehr ganz so schön aus. ;-)

Innen wartete eine große Enttäuschung auf uns: die Besucher durften nur im Erdgeschoß und im ersten Stock herumlaufen. Dabei hätte ich so gerne mal den Schreibtisch der Kanzlerin in natura gesehen, oder mich in einen der Sessel im Kabinettsraum gesetzt ... :-((
Zumindest die berühmte Galerie der Kanzlerportraits konnten wir uns ansehen:

Hier war der Künstler entweder mit dem Portraitierten eng befreundet, oder er hatte einen Knick in der Linse. Jedenfalls sieht der Kohl hier verdächtig dünn aus ...

Das berühmte Immendorfportrait vom Schröder. Neben mir stand eine ältere Dame und meinte zu ihrer Freundin: "Also, das ist ja gar nicht gut getroffen! Das sieht dem Schröder überhaupt nicht ähnlich!!" Wo die Dame recht hat, da hat sie recht. Der echte Schröder hat nämlich einen ganz anderen Teint ...

So, und hier finden immer die Presseerklärungen der Kanzlerin statt. Schon überraschend - im Fernsehen sieht die Wand viel größer aus. Aber, erklärte uns eine freundliche und geduldige Angestellte im Bundeskanzleramt, das liegt an der Kameraperspektive. Wenn ich das nächste Mal Nachrichten sehe (unwahrscheinlich, habe keinen Fernseher), werde ich mal aufpassen.
Zum Schluß gingen wir noch kurz in den Garten vom Kanzleramt, und was stand da?

Und danach sind wir noch ein Eis essen gegangen. Und anschließend shoppen. :-)
Vergleich

Aber ehrlich gesagt, sooo viel schöner als Bad Oeynhausen ist "Deutschlands bekanntester Kurort" auch nicht! Gut, wir haben keine Palmen im Kurpark stehen, aber sonst?

Freitag, 24. August 2007
Unterwegs in Berlin
"Verehrte Fahrgäste, ick muß Ihnen leida eine Mitteilung machen. Irgendein Fahrgast in der Station (unverständlich) meinte, sich unbedingt heute im Berufsverkehr vor den Zug werfen zu müssen. - Tja, also det mit der Weiterfahrt, det is erstma utopisch."
Der Rest des Tages verlief dann übrigens auch nicht besser, aber das ist eine andere Geschichte und gehört nicht hier her.
Eines Abends bin ich mal wieder unterwegs zu einer Veranstaltung. Über die Webseite der Berliner Verkehrsgesellschaft habe ich mich über den Weg dorthin informieren können - zumindest soweit er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden kann. Sehr hilfreich. Nur muß in diesem Fall noch ein längerer Fußmarsch drangehängt werden, und über den war ich mir nicht so ganz im Klaren. Intelligenterweise hatte ich just an dem Tag meinen Stadtplan nicht dabei. Aber macht ja nichts, wozu gibt es den Busfahrer.
"Woher soll ick det wissen?!"
Weil Sie der Busfahrer sind und diese Strecke regelmäßig bedienen?..
Am Bahnhof Friedrichstraße geht ein Blinder mit seinem Hund eine Treppe herauf. Eine junge Frau mit etwas, was verdächtig nach Katzenkorb aussieht, eilt an uns vorbei. Auch dem Hund erscheint der große Plastikbehälter verdächtig. Er beschleunigt, rennt die Treppe hoch und zieht sein Herrchen hinter sich her. Der versucht, Schritt zu halten. Von der Kraft des Hundes nach vorne gezogen, muß er sich alle Mühe geben, nicht zu stolpern, zumal die junge Frau die Treppe nicht gerade, sondern schräg hinaufsteigt. Der Hund folgt der Frau bzw. dem Katzentransportbehälter ohne Rücksicht auf den Gegenverkehr. Erst am Ende der Treppe kann der Blinde den Hund zurückhalten. Die Frau verschwindet in der Menge.
Wieder einmal morgens auf dem Weg zur Arbeit. (Nicht mehr in der U-Bahn, denn ich habe inzwischen eine Buslinie entdeckt, die vom Kleistpark direkt zum Rathaus Steglitz fährt. Vorher hatte ich immer umsteigen müssen. So ist es besser.) Ich habe einen Fensterplatz auf der linken Seite des Busses, sehe aber kaum nach draußen, denn ich lese wie immer unterwegs ein Buch. Nur einmal sehe ich kurz auf, als ich im Augenwinkel eine Bewegung bemerke. Ein weißer Kleintransporter fährt bedenklich dicht an den Bus heran. Da es nicht kracht und das Buch spannend ist, lese ich weiter. Der Bus fährt mit etwas mehr Schwung als üblich in die 50 Meter entfernte Haltebucht. Wenige Sekunden später prescht auch der Kleintransporter heran und parkt schwungvoll direkt vor dem Bus ein. Sowohl der Busfahrer als auch der Fahrer des Kleintransporters springen auf die Straße und beginnen sich gegenseitig anzubrüllen. Offensichtlich ist es doch zu einem "Kontakt" gekommen. Zwischendurch besichtigen beide die linke Seite des Busses, daraufhin die rechte Seite des Kleintransporters. Das Brüllen nimmt so schnell kein Ende. Der Busfahrer telefoniert mit seinen Vorgesetzten, auch der Fahrer des Kleintransports ruft jemanden an. Nach gut fünf Minuten geht die Fahrt weiter.
Etwas später am Abend, auf der Heimfahrt von einer Veranstaltung. Vier Stationen vor meiner Haltestelle werden die Fahrgäste plötzlich aufgefordert, die U-Bahn zu verlassen. Aus der Durchsage ist nicht sehr viel zu verstehen, außer, daß aufgrund irgendeiner Störung die Bahn erst einmal nicht weiterfährt. Allgemeines Seufzen, alles verläßt den Zug. Dieser fährt dann weiter und wird wahrscheinlich irgendwo geparkt. Genialerweise befinden wir uns in einer Station ohne Umsteigemöglichkeit. Doch schon nach zehn Minuten kommt eine neue Durchsage: in fünf Minuten soll es weitergehen. Und tatsächlich, eine neue Bahn fährt ein, alle steigen ein und setzen sich hin. Dann passiert erst einmal gar nichts. Eine neue Durchsage. Sie dauert gefühlte zehn Minuten und ist für alle aufgrund der Qualität der Lautsprecheranlage und der Sprechgeschwindigkeit der Stationsaufseherin absolut unverständlich - mit Ausnahme des letzten Satzes: "Wir wünschen Ihnen noch eine angenehme Fahrt!"
Die Frau schräg gegenüber blickt mich verblüfft an: "Wollen die uns verarschen?!"
Die Türen schließen sich, die U-Bahn fährt ab.
Dienstag, 7. August 2007
Impressionen vom Winterfeldmarkt

Es gibt viele Stände mit frischem Obst und Gemüse, teils in deutscher, teils in türkischer Hand. Was es bei dem einen nicht gibt, hat ein anderer garantiert. Man muß nur fragen.

Mindestens drei Stände gibt es, an denen Seifenprodukte verkauft werden, und zwar solche aus Seifenfabriken, die (fast) noch wie handgemacht aussehen. Und natürlich riechen sie alle fantastisch.

Daneben gibt es auch viel, was der Westfale als "Gedöns" bezeichnen würde - Kunstgewerbliches, Tücher, Kleinkram. Manches davon ist wirklich hübsch (nur leider auch teuer ...)

An den Einkaufskörben bin ich mehrmals vorbeigegangen. Einmal, weil der Stand so zentral gelegen ist, aber auch, weil ich es irgendwie schick finde, mit so einem Korb über den Markt zu schlendern. Aus praktischen und finanziellen Erwägungen habe ich diesen Gedanken dann aber doch wieder fallen lassen. Ich brauche so was nicht. Und sich einen Korb nur deshalb zu kaufen, um ihn spazieren zu führen, ist ja auch albern. ;-)

Wie gesagt, Obst und Gemüse gibt es in rauhen Mengen. Und überhaupt viele Bioprodukte. Und viele Menschen, die dort einkaufen, aber auch nicht so viele, daß es voll wäre. Es ist ein sehr entspanntes Einkaufen ...

... nach dem man sich gemütlich an einer der "Freßbuden" am Rand des Marktes oder in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants zum Kaffee niederlassen kann. Vor allem natürlich jetzt im Sommer.
Nachdem ich in Ruhe über den Markt geschlendert und viele Fotos gemacht hatte, habe ich mich allerdings nicht ins Café gesetzt. Danach habe ich erst einmal selbst eingekauft (mit einer vollen Tüte am Arm fotografiert es sich so schlecht) und bin anschließend in den erstbesten Buchladen marschiert und habe mir den neuen "Harry Potter" gekauft. Die Bilder stammen nämlich alle vom 21. Juli, und ich habe sie schon längst bloggen wollen.
So, und zum Abschluß zeige ich Euch noch mein Lieblingsbild vom Winterfeldmarkt:

Mittwoch, 1. August 2007
Meine Wohnung

Das sind meine Fenster. Schön ruhig in einem Seitenflügel gelegen, in einer ruhigen Straße, mit netten Nachbarn. Und der vermutlich besten Eisdiele Berlins nur ein paar Häuser weiter. Da gibt es richtig leckere Sorten: Hot Chocolat (Schoko mit Chili), Ingwer Joghurt, Mangolassi, ...

Ansonsten gibt es noch ein zweites Zimmer, was aber ein Durchgangszimmer ist, mit Eßtisch, Stühlen und einem kleinen Schrank. Eine kleine Küche mit Elektroherd (wichtig, in Berlin scheint es fast nur Gasherde zu geben), und ein kleines Wannenbad. Eine Dusche wäre mir lieber, aber in der Badewanne kann ich zumindest auch gut Wäsche waschen.
Was in den letzten Wochen so geschah ...
Heute habe ich mich in der Stadtbibliothek angemeldet (schont meinen Geldbeutel!), und da es hier auch einen Hotspot gibt (für einen Euro die Stunde) und ich meinen Computer zufällig dabei hatte, nutze ich einfach die Gelegenheit. Damit es im Juli nicht bei einem einzigen Eintrag bleibt. Nur das Hochladen von Bildern hat hier eben noch nicht so funktioniert (nämlich gar nicht), das probiere ich gleich noch mal. Dann gibt es Fotos von meiner Wohnung und von dem schönen Wochenmarkt gleich bei mir um die Ecke.
Momentan ist Sommerloch, so daß ich ziemlich viele freie Abende habe (aber nicht immer Lust, die dann im Sony Center zu verbringen). Schön, aber es wird nicht lange so bleiben. Bald geht es wieder los, mit mindestens einer Veranstaltung pro Abend.
Ich muß sagen, die Arbeit macht viel Spaß. Weil wir nur über eine spezielle Art von Veranstaltungen schreiben, zu denen meistens eh immer - mit einigen Ausnahmen - dieselben Leute hingehen, habe ich in diesen zwei Monaten schon einige flüchtige Bekanntschaften schließen können. Anfangs stand ich oft noch ziemlich verloren auf den Empfängen rum, kannte keinen und traute mich kaum, jemanden anzusprechen. Inzwischen habe ich mich daran einigermaßen gewöhnt, und da ich, wie gesagt, inzwischen schon den einen oder die andere kennen, habe ich immer wieder jemanden zum Begrüßen, mache ein bißchen Small Talk und lerne nebenbei wieder jemanden kennen.
Mit den Kollegen komme ich nach wie vor sehr gut zurecht, und - was das wichtigste ist - der Chef scheint zufrieden mit mir zu sein. Behauptet er jedenfalls. ;-)
Die Wohnungssuche habe ich in den letzten drei Wochen ein bißchen schleifen lassen. Zuerst hatte ich keine Lust, am Wochenende darauf stand Harry Potter auf dem Programm (für den ich schlappe zehn Stunden gebraucht habe *stolz*). Eine sehr fesselnde Lektüre, und natürlich blieb danach keine Zeit, sich um die Berliner Morgenpost und ihre Immobilienanzeigen zu kümmern. Tja, und dieses Wochenende war ich wieder dienstlich in Erfurt, kam erst am Samstagabend völlig erschlagen zurück nach Berlin und hatte danach auch einfach keine Lust mehr. Bis dahin hatte ich mir einige Wohnungen angesehen, aber die waren alle nichts. Und da meine Wohnung mit Ausnahme der Kälte (die bei den Temperaturen letzte Woche allerdings extrem angenehm war), der fehlenden Waschmaschine und den nicht mir gehörenden Möbeln an sich sehr schön ist, habe ich natürlich gewissen Ansprüche.
Vor drei Wochen habe ich die Ausstellung "Königsgräber der Skythen" im Martin-Gropius-Bau besucht. Klasse!! Unbedingt zu empfehlen für alle, die demnächst nach Berlin kommen. Ob ich mir die aus New York kommenden schönsten Franzosen ansehen werde, weiß ich noch nicht. Interessant wär's ja, aber mal sehen. Meine Eltern hatten zu diesem Zweck schon ihren Besuch "angedroht", vielleicht lasse ich mich dann einladen. ;-)





